036: Für uns ist das auch die siebte Stunde!

schule3_800 Folge herunterladen (MP3, 158 MB)

Zwei lange Jahre habt ihr warten müssen, doch nun ist sie endlich da: Die Fortsetzung unserer munteren Gesprächsreihe über die gemeinsame Zeit an einem Lüdenscheider Gymnasium. Diesmal hat sich Sebastian zusätzlich zum guten alten (und ziemlich erkälteten) Jan den Christian und mit ihm den ersten Vertreter seines eigenen Jahrgangs ins virtuelle Klassenzimmer eingeladen.

Nach einem nicht ganz geradlinigen Streifzug durch das verwinkelte Schulgebäude – komplett mit Brühwürfeln und Gruselkabinett – werfen die Drei einen mitunter stark zensierten Blick auf die unterschiedlichen Fächer, die sie neun Jahre lang mehr oder weniger traumatisierten.

Da wir nahtlos an die beiden ersten Sendungen zum Thema Schule anknüpfen, empfehlen wir euch, falls ihr es nicht sowieso schon getan habt, unsere sechste und zwölfte Ausgabe anzuhören.

3 Gedanken zu “036: Für uns ist das auch die siebte Stunde!

  1. Ich muss zugeben, dass ich mich durch diese Folge etwas gequält habe. Teilweise bestanden die gesprochenen Sätze nur noch aus Piepsern.
    Nach einer Stunde wurde es etwas besser, aber meiner Meinung nach ist hier das Konzept nicht ganz aufgegangen.

    Die Anekdoten waren aber sehr schön!

    Gefällt mir

  2. Anfangs fand ich das Gepiepse auch hart, dann habe ich mich irgendwann daran gewöhnt. Mir würde jetzt auch kein Weg einfallen, wie man das Problem hätte umgehen können.

    Von der Asterix-Geschichte habe ich schon in einer anderen Sendung gehört. Ausführlich besprochen habt Ihr das aber noch nirgendwo, oder?

    Als Fan der Paralipse sage ich jetzt mal nichts zu Geschäftsbriefen im Deutschunterricht 😉

    Jans Ruf nach „MEZZO MIX“ war ein Brüller!

    Gefällt mir

  3. Moin zusammen,

    Was für süße Kinderfotos. Ich schließe mich an. Man hätte was vorbereiten können, indem man dem Lehrkörper Pseudonyme zuordnet. Aus Müller wird Meier und aus Kramer-Stoppeldorf eben Kaufmann-Bauer… aber das Dauergepiepse war wirklich anstrengend.

    Als jemand der der Schule von 1967 bis 1981 besuchte fand ich es interessant zu hören, wie sich Schule verändert hatte. Computer war zu meiner Zeit ein Fremdwort, das Nonplusultra hieß Sprachlabor mit vielen Tonbandgeräten. Als Gymnasiast in Bremen-Nord, geprägt von Arbeiterfamilien, machte man, wenn man dafür vorgeschlagen wurde, das Abitur um des Abiturs Willen. Führungsposition, Elite, das Denken war uns fremd, und auch Lehrer adressierten es nicht explizit. Irgendwie war für die meisten das Ende offen. Erst mal Abi, dann sehen wir weiter. Es gab ja auch die „ewigen Studenten“, sehr gern in Sozialpädagogik.

    Die Ethik fand nicht statt. Religionsunterricht gab es in Bremen nicht, alles Soziale auch nicht. Als Atheist ohne Taufe wäre ich bei Reli vermutlich raus gewesen. Ich hätte auch Missionierung erwartet. Dennoch erlebte ich dann auf dem Gymnasium eine mentale Offenheit, sicher eine linksliberale Haltung, die ich aus dem Elternhaus, geprägt durch einen eher wenig reflektierten und ewiggestrigen Vaters, nicht kannte. Ein frischer Freiheitswind umwehte mich dort. Das tat sehr gut.

    So richtiges Mobbing und Dissen habe ich nie erlebt, selbst ein ständig stinkender Mitschüler, den wir „Pissy“ nannten hinter seinem Rücken, wurde mit „Pissy for President“ geadelt und die Lehrer nahmen es mit Vergnügen zur Kenntnis, dass wir von einer Unterrichtsstunde rotierten, Pissy also immer neue „freiwillige“ Sitznachbarn hatte.

    Sportunterricht, der reinste Horror. Natürlich war ich auch immer der letzte, der in eine Mannschaft gewählt wurde. Welche Demütigung. Ich hatte auch nie diesen Ehrgeiz verstanden, den viele empfanden, wenn sie drei cm höher sprangen oder den Gegner schlugen, der zudem noch aus demselben Klassenverband bestand. Ging mir völlig ab. Ich war vielleicht auch recht nerdig schon, liebte es mit der alten Adler Gusseisenschreibmaschine zu Haus ganze Nachrichtenprotokolle abzutippen, die ich mit dem Grundigtonband aufgezeichnet hatte. Vielleicht sollte ich mein Katastrophenprotokoll mit hunderten Zeitungsausschnitten über die Waldbrände des Wendlandes mal einem dortigen Heimatmuseum anbieten…

    Medial war die Zeit wenig entwickelt und vielleicht war ich nur zu introvertiert um Seelenverwandte in der Schülerschaft mit gleichen Interessen zu finden, bei Science Fiction war ich schon begeistert mit dabei. Aber mit nur einer restriktiv verwalteten Scbwarzweißglotze zu Haus, ohne Video und geringem Budget.. viel ging da nicht. Die hypigen Zeiten von Star Trek in den 1990ern hätte ich auch gern so fiebernd mit erlebt wie ihr, als Erwachsener hab ich das völlig verschlafen… andere Interessen eben. Umso schöner ist es heute für mich, Euch in der RST und TAD entdeckt zu haben. Ich freue mich auf die nächsten Hörertreffen, speziell auf den 5. Juni 2022 in Bonn. Vielleicht gibt es mal eine lange Star Trek Nacht im Lüdenscheider Filmpalast oder gleich ein Wochenende. Ich wäre dabei.

    Die Lehrer… was für ein Panoptikum aus heutiger Sicht. Da waren schon einige Kinderquäler dabei. Das gestrenge Ehepaar S, er Sport und Französisch, sie Französisch und wasweißich, lebten auf frankophonem Niveau zwischen Cbampagne, Bagiettes und Ohlala, und schienen auf sprachunwillige Schüler zu schauen wie Biologen auf Schimmelsporen. Wenn Herr S den Raum betrat, gefror die Luft und ich rasselte mit einer Sechs durch bis zum Sitzenbleiben. Das war zu Beginn mit Englisch dasselbe, denn Fräulein (!!!) L. bestand nur aus Spott und Ironie. 5 und 6 begleiteten mich in Klassen 5 und 6. Klasse 7 brachte Herrn H, der eigentlich Gemeinschaftskunde und Geographie unterrichtete, zuvor Gastlehrer in den USA war und aushilfsweise für Englisch eingesetzt wurde. Ich schoss hoch auf 1 und 2, und Englisch ist heute mein Berufsleben, jeden Tag, im Luftverkehr. Ich war so ‚lehrersensibel“, das wusste ich später gut. Der unheimliche dicke Herr P., der immer morgens den Eingang bewachte und kleine Jungs tätschelte und über den man was von Pädophilie flüsterte. Die herrische Frau H, die wie ein Relikt der 1960er wirkte, Pfennigabsätze, Draculaumhang, Pockennarben im Gesicht… es hieß ihr sei im Chemieunterricht mal was heftigst missglückt. War auf dem Gang zu viel Geschrei, flog die Tür vom Chemiehörsaal auf und es keifte auf berlinerisch „Ick komm da jleich ma rüba und mach da mit.“ O Schreck.

    Frau K., die wie eine Klosterschülerin wirkte, sterbenslangweiligen Geschichtsunterricht darbot, und wie man später erfuhr, alkoholkrank war und sich das Leben nahm. Mein erster Deutschlehrer Herr R, der unangepasste Herr L mit Hippiemähne, der wohl mein introvertiertes Wesen erkannte und mich, was mir extrem peinlich war, vor versammelter Klasse lobte, weil er meinte in mir jemanden zu sehen, der „Bescheidenheit“ lebte. Und mein Biolehrer Herr K., ein Humanist, der jenseits des Lehrstoffs in der Oberstufe ganz viel Ethik mit vermittelte und mich, weil ich in der Prüfung nach oben abgewichen war (kein Wunder, guter Lehrer eben) anrief und fragte, worin ich denn in der morgigen Nachprüfung geprüft werden wolle… der Hammer.

    Ihr habt es thematisiert und ich habe es auch erlebt wie wohl alle, dass Unterrichtsqualität so stark variieren kann und es schon fast ein Zufallsergebnis ist, welcher Lernerfolg sich einstellt. Lotterie und Zufallsexperiment, das beinhaltet wohl jede Scbulzeit mehr oder minder.

    Einmal nahm ich an einem Ehemaligentreffen Teil. Zum Glück musste ich früh weg, weil ich am nächsten Morgen frühen Flugeinsatz hatte. Es war grauenhaft. Zwei Mitschüler, mit denen ich noch Kontakt habe, sagen, sie seien froh, wenn sie vom Rest der Truppe nur Abstand haben. Man sucht sich ja die Mitschüler auch niemals aus. Wenn man einen super Draht hat wie bei Euch, gut. Wenn nicht, dann nicht. Oft fiel mir auf, dass bei Menschen oft das Soziale Umfeld durch Hineingeborenwerden in eine Familie, Dorf- und Schulverband quasi zementiert wird. Das war mir immer fremd, bei mir formte sich das weit später neu und über längere Zeit und diverse Wohnorte hinweg. Dennoch gucke ich aber auch mit etwas Neid auf Eure sehr heimelige und wohltuende Verbundenheit mit der Heimatstadt. Nach 13 Umzügen seit 1986 muss ich meine „Heimatliebe“, wenn man davon sprechen kann, weiträumig aufteilen. Hat alles Vor- und Nachteile.

    Es war wieder mal ein vergnüglicher Hörgenuss!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s