Der Retro-Podcast. Popkultur und Persönliches von gestern, vorgestern und vorvorgestern.

078: Fleischerei Teipel: The Motion Picture

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Nachdem Sebastian die geschmacklichen Verirrungen des Kinos der späten Neunziger überlebt hatte, wurde er eines schönen Abends im Jahr 2000 von Marco entführt. Eine wunderbar spontane Aktion, ihr Ziel eine Kinovorstellung, die Sebastian freiwillig niemals besucht hätte.

Dieser überwältigende Kinobesuch war es, der Sebastians Augen dafür öffnete, daß Film nicht bloß Unterhaltung, sondern echte Kunst sein kann. Mit dieser Erkenntnis infizierte er kurz darauf Simon und die beiden sahen sich, dem Internet sei Dank, einen importierten Arthouse-Film nach dem anderen auf DVD an. Bald schon hielten sie sich für große Kineasten. (Spoiler: Waren sie nicht.)

Ihr Gott war nicht – wie für viele andere – Quentin Tarantino, sondern Paul Thomas Anderson. „Was der kann“, dachten sich Simon und Sebastian, „das können wir auch!“ (Spoiler: Konnten sie nicht.)

Aus diesem Größenwahn heraus schrieben, spielten, filmten und schnitten die beiden Möchtegern-Auteure ihren ersten Film Fleischerei Teipel. Eine Stoner-Komödie ohne Marihuana, dafür mit umso mehr Zigaretten, Tequila und leeren Mezzo-Mix-Flaschen. Eine Geschichte, in der Simon, Sebastian und Marco verrückte Versionen ihrer selbst darstellen. Ein echtes Meisterwerk, wie sie damals fanden. (Spoiler: War es nicht.)

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  1. Das ist mit „Leckopallo“ ja noch sehr dünn umschrieben! Was für ein wundervolles, prätentiöses Meisterwerk. Schön, dass Ihr Euch auch mal selbst vor der Kamera zum Horst gemacht habt… wirkt sicherlich demutvertiefend gegenüber der Kunst des Drehbuchschreibens.

    Ich würde viel darum geben, diesen Streifen einmal zu sehen und böte im Austausch „Bram Stokers Dracula“ in der Version aus dem Bergischen Land von 1998 an (Schloß Burg prominent in Szene gesetzt). Die Mitwirkenden haben heute alle korrekte Jobs, aber die unvergleichliche Matschigkeit des VHS-Bildes in Verbindung mit dem sonoren Brummen des Hama-Richtmikrofonlümmels (in allen Szenen) ist auch heute noch ein Genuß!

  2. Stefan Sure

    Lieber Sebastian, lieber Simon,

    wieder einmal eine wunderbare Folge.

    Ist es möglich das ich zumindest Teile des Films gesehen habe?

    Im übrigen habe ich noch das Drehbuch für „Teil 2“, über ein Erscheinen dieses Meisterwerks würde ich mich immer noch freuen, 5-8 Oscars wären da sicherlich drin😂😂😂

    Im übrigen müsst ihr die Namen meiner Familie nicht piepen, Frau Helga K. Aus Lüdenscheid hat da nix gegen

    • Guten Morgen Stefan,

      wie herrlich, dass es Dir gefallen hat! Und es ist gut möglich, dass ich Dir die sagenumwobene Videokassette mal vorgespielt habe, ja.
      Es war aber nicht Deine Mutter, die wir gepiepst haben, sondern die Kollegin Birgit. Helga war zum Produktionstermin des Films noch zwei Monate in meiner Zukunft und wurde Nachfolgerin eines Zeitarbeiters, der Rosa hier im Mai 2001 noch in den Wahnsinn trieb. Nicht zuletzt mit seinen drei Nokias am Gürtel.

      Schönes Wochenende Dir,
      Sebastian

      • Stefan Sure

        Wahnsinn, aber stimmt…. Ich habe ja erst ab Ende 2001 den Job des Stuhlverstellers angenommen😂

        Ihr solltet aber zumindest doch noch einen Podcast über den nicht fertiggestellten Teil machen, das Drehbuch ist da ja deutlich professioneller😉

  3. Lisa

    Lieber Sebastian, lieber Simon,

    Beim Abspann des Podcasts dachte ich: war das jetzt ein verrückter Fiebertraum oder hab ich das wirklich gehört?

    Der Hammer! Jetzt höre ich Euch schon einige Jahre treu zu, kenne auch den ein oder anderen Insider, war mit Euch im CityCenter, im BGL, auf Skifreizeit und an 1000 anderen Orten Eurer Vergangenheit und jetzt holt Ihr dieses Ding raus…. Wahnsinn, wieso erfahren wir davon erst jetzt?

    Klar, man merkt Euch schon an, dass Euch die Sache recht peinlich ist. 2 Disaster-Artists gehen hier mit sich selbst ins Gericht.

    Ihr lasst dermaßen die Hosen runter und operiert am offenen Herzen, dass es mir als Hörer wichtig ist, Euch ein Feedback in der Form zu geben, dass Ihr wisst, dass das, was Ihr da ins schwarze Loch des Internets geblasen habt, auch angekommen ist und gefallen hat.

    Eure schonungslose Selbstkritik gefällt mir. Es ist wirklich manchmal kaum zu glauben und auch schwer zu ertragen, wie man früher drauf war und auch wie man mit Anfang 20 dachte, man weiß, wie die Welt zu laufen hat. Aber bitte, meine Herren: Nicht zu viel Selbstzerstörung, sondern auch Selbstversöhnung! Immerhin habt Ihr Eure Kreativität ausgelebt und habt etwas erschaffen, das Euch Spaß gemacht habt. Ich finde, sowohl Euer Amateurfilmprojekt als auch vor allem diese Rückspultastenfolge ist ein Denkmal für Eure Freundschaft, wie toll, dass sie noch existiert!

    Witzig, was Ihr über Magnolia erzählt. Wie so vieles ist der Film garnicht mein Fall, und zwar überhaupt nicht, aber da sieht man einfach, selbst wenn die Geschmäcker unterschiedlich sind, kann man andere Menschen verstehen und ihre Meinungen nachvollziehen. Es gibt eben nicht den einen oder die oder das eine objektiv „Beste“ (Regisseurin, Film, Buch etc.). Jeder Mensch sammelt sich seinen eigenen Kanon zusammen aus Sachen, die ihn geprägt haben und die ihm wichtig sind. Das ist aber auch eine persönliche Entwicklung, die man machen muss, früher waren einem Zugehörigkeiten und Gruppen viel wichtiger.

    Den einleitenden ersten Teil des Podcasts fand ich interessant, weil meine Adoleszenz auch in die späten 90er/frühen 2000er fiel und ich damals auch sehr viele Filme gesehen habe. Eine Erklärung, warum das so war, fand ich letztes Jahr übrigens beim interessanten Podcast 99% Invisible ( https://99percentinvisible.org/episode/the-megaplex/ ): es war die Zeit der Multiplexe! Es wurden unheimlich viele Filme gedreht und vor allem auch vielen Menschen gezeigt, bis dann nach 2000 es vor allem darum ging, den gleichen Film ganz oft auf mehreren Leinwänden zu zeigen (BWL-Stichwort Kosten sparen).

    Danke also Euch beiden, dass Ihr Euch in dieser Form der Öffentlichkeit gestellt habt. Ich fand’s toll und ich hoffe, dass ihr noch ganz viel Liebe für Euren Podcast bekommt. Achso, und Sebastian, Hut ab vor der Schnitt-Arbeit!Da hast Du bestimmt einige Stunden dran gesessen, dass die Zitate auf Euer Gespräch passen. Das war Gold wert, denn so wusste man immer gleich, wovon Ihr redet!

    VG Lisa

    PS: Einziger Wermutstropfen: Ich dachte bei Eurem Social-Media-Countdown, endlich bekommt man ein Foto des legendenumwehten Vincenzo Holtkamp zu sehen, aber war garnicht. Dieser Name regt meine Phantasie in übergroßem Maße an. In einer Graphic Novel über Sebastian wäre er eine Pflicht-Nebenfigur.

  4. Frank

    Die Folge hat sehr viel Spaß gemacht.
    Ihr solltet unbedingt einen Director’s Cut herausbringen.

    Fleischerei Teipel The Motion Picture
    Director’s Cut
    Simon und Sebastian sitzen bei Kerzenlicht in gemütlichen Sesseln, in der Hand etwas edles zu trinken und schwelgen in Erinnerungen. Sie denken zurück an die Zeit als sie noch unerfahrener waren und manchmal auch leichtsinnig. Und sie reden über einen ganz besonderes unangenehmen Abend.
    Dabei werden Szenen aus dem Film von damals eingeblendet. Neu Synchronisiert und mit neuer Musik.
    Bald in einem Theater in ihrer Nähe…

  5. Lorenz Goller

    Ist das Ferienprogramm jetzt schon vorbei? Also hier in Bayern haben die Leute, die noch in die Schule gehen, die nächste Woche noch Ferien. Ich werde zwar dem bevorstehenden Schuljahr nicht mehr beiwohnen, da ich letztes Schuljahr das Abitur bestanden habe, aber trotzdem habe ich mich auf euer Ferienprogramm immer wie ein kleines Schulkind gefreut. Ich hoffe also, dass es wenigstens noch eine Woche weitergeht.
    Liebe Grüße
    Lorenz Goller

    • Guten Morgen Lorenz,

      schön, dass es Dir gefallen hat! Aber wie drüben bei Trek am Dienstag angekündigt, beschränkte sich unser Ferienprogramm dieses Jahr auf den August. Mehr haben die äußeren Umstände nicht zugelassen. Doch so wie es aussieht, dürfte es im Oktober wieder ordentlich rappeln im Karton…

      Viele Grüße,
      Sebastian

  6. Roger

    Hallo zusammen

    Das war überaus unterhaltsam und ein Teil von mir würde diesen Streifen gerne mal sehen (der andere Teil sagt eher „nö, lass mal“) 🙂

    Zuerst dachte ich eher, ihr hättet Horror gemacht wegen der „Fleischerei“, also sowas in der Richtung „Santa Clarita Diet“ mit Drew Berrymore. Menschen schlachten und verspeisen oder so. Da hat mich der Titel auf die falsche Fährte geführt.

    Lg Roger

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