Bandsalat #011: Flucht in die Vergangenheit

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Nächste Woche wieder große Rückspultaste – heute Ferienprogramm-Sondersendung!

Oft schaut sich Sebastian steinalte Filme und Serien an. Viel zu oft, könnten böse Zungen behaupten. Da fragt er sich mitunter kritisch: Ist soviel Rückwärtsgewandtheit überhaupt zulässig? Ist er in die Nostalgiefalle getappt und muß sich dem Vorwurf der Weltenflucht aussetzen?

Um das zu klären, hat er einen Gast eingeladen, der im Hier und Jetzt lebt. Der das Reaktionäre ablehnt. Der findet, daß der Schlüssel zu guten Entwicklungen darin liegt, sich um die Zukunft zu bemühen. Die Rede ist vom American Cyborg Terminator 2000 vom Podcast Männer, die auf Videos starren.

Denn die haben neulich – im Rahmen ihres Schwesterpodcasts Die Skorpion&Batterie Show – eine ganz vortreffliche Folge zum Thema Eskapismus abgeliefert. Diesen Podcast als Vorbereitung zur heutigen Diskussion zu hören bietet sich an, nein, drängt sich quasi auf!

11 Gedanken zu “Bandsalat #011: Flucht in die Vergangenheit

  1. Guten Morgen, Huch erste und das bei dem Thema. Am Ende gehe es ja darum ob wir Retro brauchen und was eigentlich Retro ist. Und ich würde sagen ja wir brauchen das. Zum einen um Dinge die wir heute erleben in einen persönlichen Kontext setzten können. Stellt euch mal vor man hätte keine Erinnerungen,über 5 Jahre zurück hinaus. Das wäre gruselig und wahrscheinlich würde es dazu führen das wir immer und immer wieder die selben Fehler machen würden. Und was noch dazu kommt wir brauchen das auch manchmal weil das zurück erinnern unsere ganz eigene Pausetaste ist. Ja natürlich sollten wir im hier und jetzt leben und uns neuen Dingen nicht verschließen, aber durch die eigene und allgemeine Vergangenheit können wir vielleicht besser einschätzen ob alles was neu ist immer so gut ist. Fortschritt und des Fortschrittswillen ist genau so gruselig wie das komplette Leben in der Vergangenheit. Es gibt Dinge die waren manchmal früher besser oder einfacher, aber natürlich auch sehr viele Dinge die einfach Mist waren. Sei es solche Storys wie mit dem Apfelspaß oder die Kopfstände die man für so manches machen musste aber auf der anderen Seite auch ein bisschen mehr Freiheiten die wir als Kinder hatten die heute oft unmöglich erscheinen. Ich denke man sollte versuchen ein gesundes Mittelmaß zu finden zwischen nach vorne blicken und mit dem Blick zurück. Und auch Pause muss mal sein. Gerade die letzten 3 Jahre waren wirklich krass, und manchmal muss man sich da rausziehen um nicht wahnsinnig zu werden. Wie aber auch gesagt wurde man muss nach einer gewissen Zeit auch wieder daraus auftauchen. Und zum guten Schluss, was heißt es eigentlich erwachsen zu sein? Am Ende doch nur das man selbst die Verantwortung dafür hat was man so tut, und bei einigen noch die Verantwortung für die eigenen Kinder, aber das heißt ja nicht das man nicht bis 03.00 auf dem Balkon sitzen kann und sich tot quatscht oder zb in den Freizeitpark zu gehen oder sonst was zu tun was eher unter naja vernünftig laufen würde. Wenn man immer nur mit kompletter Vernunft an alles dran geht wäre das Leben unendlich langweilig und wer bitte will denn das schon.

    Sehr interessante Folge auf jeden Fall

    Danke und einen schönen und nicht zu heißen Tag
    Wünsche ich euch

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    • Noch ein kleines Ps. Ja ich muss dem Commodore recht geben. Das Dinge die wir als Retro empfinden sehr aufs eigene Alter ankommt. Wenn ich mit Leuten rede die so 10-15 Jahre jünger sind als ich denken die dabei an ganz andere Dinge als ich. Und auch die 6-7 Jahre die zwischen mir und den Protagonisten der Rückspultaste liegen machen da manchmal was aus. Und so meinen ganz persönlichen cut, den anscheinend viele machen, ist das Ende der Schulzeit, plus minus ein paar Jahre.
      Ach und mit dem wie alt man eigentlich ist. Da hat meine Oma (mittlerweile 87) mal etwas sehr kluges gesagt. Alter ist das was im Ausweis steht. Ich selbst bin immer ich alt. Das ist weder alt noch jung.

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  2. Die neue Twin Peaks Staffel als Beispiel für kommerzielles abmelken alter Marken anzuführen kann nur bedeuten das der Gast die gar nicht gesehen hat. 🙂

    Was Sebastian zu neuen Produktionen sagt kann ich teilweise nachvollziehen, aber ich höre da schon auch etwas „früher war alles besser“ raus. Denn früher wurde doch auch schon sehr erfolgsorientiert gearbeitet. Heute ist es sicher extremer, aber Film war schon immer so teuer, das es da immer schon viel um Geld ging.

    Ich bin auch kritisch, was den Retro-Trend angeht, aber ich finde man darf nichts zu ernst nehmen. Auch wenn viele Remakes z.B. nicht mehr meinen Geschmack treffen, finde ich gut das die Ideen und Charsktere weiter existieren und neue Fans damit erschlossen werden. Das finde ich als geschäftliche Absicht auch nicht verwerflich. Es muss und kann nicht alles nur für die alten Fans gemacht werden.

    Der Rückspultaste gelingt es mMn meistens sehr gut, an das alte zu erinnern, ohne dabei zu hängen geblieben zu wirken (und solche Momente sind ja auch mal voll Ok).

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    • Mahlzeit Solo,

      nur für die alten Fans Sachen machen zu wollen, das fänd ich auch schrecklich. Man sollte sich auf kreativer Seite tatsächlich gar nicht vornehmen, konkrete Zielgruppen in den Fokus zu nehmen, da kommt meines Erachtens meistens Murks bei raus. Um Zielgruppen und Vermarktung sollen sich die Studios kümmern, wenn das Projekt abgeschlossen ist. An der Position der leitend Schöpfenden müssen kreative und eigensinnige Menschen stehen, deren Ziel es ist, Kunst zu schaffen (Star Trek bietet da Nick Meyer oder Ira Behr). Und die es beherrschen, im finanziell gesteuerten Umfeld des Filmgeschäfts so geschickt zu taktieren, dass sie ihre persönliche, kunstvolle Vision weitgehend durchdrücken können. Denn ohne Kunst ist alles Bla, unbenommen von der Nostalgiefrage.

      Ich finde, Filmstudios täten gut daran, nicht ein durchkalkuliertes Marvel-Megaprojekt mit hundert Millionen Dollar zu bewerfen, sondern stattdessen zwanzig VisionärInnen jeweils fünf Millionen und freie Hand zu geben. Vielleicht ist der Return on Investment dann geringer, aber ich möchte kühn behaupten, dass man trotzdem schwarze Zahlen schreibt. Und der Kunst täte es gut.

      Schönes Wochenende Dir,
      Sebastian

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  3. Moin zusammen.
    Sicherlich hat Sebastian recht, dass viel Star Wars Fans den zweiten Film der dritten Trilogie aus den von ihm genannten Gründen blöd finden. Aber ich glaube hier wird zu sehr über einen Kamm geschert (oder geschoren?). Ich persönlich finde den Film auch schlecht, aber aus ganz anderen Gründen. Das ganze Setting gab für mich keinen Sinn:
    – die Rebellen fliehen und alle Schiffe der ersten Ordnung hinterher, wie bei einer Verfolgungsjagd aus einem alten Polizeifilm. „Wir kommen nicht ran, aber die nicht weg“. Hätte man sich als Sternzerstörer da nicht mit nem Überlichtsprung davor setzen können? Irgendwie sehr konstruiert.
    – egal welche Erfolge die Rebellion erzielt (Todestern zerstören, noch nen Todesstern zerstören, Imperator und Vader ausschalten, Sternenkillerbasis ausschalten): es scheint zu nichts zu führen, jetzt sind sie schwächer als je zuvor. Kein Wunder, dass keiner die Rebellen mehr unterstützt. 😀
    – am wichtigsten ist für mich aber folgender Punkt: die gesamte Haupthandlung ist eigentlich obsolet und findet nur statt, weil Admiral Hodo aus unerfindlichen Gründen kein Wort dazu sagt, ob sie einen Plan hat oder nicht. Nur weil die Protagonisten denken, es gäbe keinen Plan und keine Hoffnung, ziehen sie erst los. Und das ist in meinen Augen Quark, denn selbst wenn Hodo Spione fürchtet und ihren eigenen Leuten nicht traut, dann hätte sie trotzdem zumindest einfach sagen können: „JA! Leute, wir haben einen Plan, versprochen. Wir möchten ihn nur noch geheim halten. Wartet noch etwas ab!“ Hier wirkt es mir wieder einfach zu konstruiert und hingebogen und macht mir den Film leider kaputt.
    Ich finde es gut, wenn Star Wars einen neuen Weg geht und mal anders ist. Dass ich den Film nicht mag, hat aber eben nichts damit zu tun, dass er anders ist als die vorherigen.
    By the way @ Commodore: Ich gehöre auch zu denen, die „Solo“ super finden. Und Rogue One sowieso.
    Etwas schmunzeln mußte ich allerdings bei der Aussage „…diese ganze 3. Star Wars Trilogie hab ich mir nicht mehr angeguckt, weil das ist nur noch ‚ach, das wollen die Fans sehen, wir geben denen das, die zahlen Geld dafür, wir haben Geld in der Kasse.‘ Das ist Scheiße“, weil es von „Bleibt offen für Neues, guckt Euch die Sachen erstmal an“ umklammert wurde, was irgendwie im Widerspurch steht. Oder zumindest auf den ersten Blick so scheint, aber ich denke, ich habe verstanden wie es gemeint ist. 😉

    Gute Serien und Filme gab es damals wie heute, genau wie schlechte Serien und Filme. Ich glaube es wird nur immer schwieriger, etwas wirklich Neues zu bringen, weil es eben schon sehr viel gibt. Vielleicht liegt darin auch ein Teil der Retro Faszination, weil die Sachen damals eben etwas komplett Neues waren und man sie daher als etwas ganz Besonderes im Gedächtnis abgelegt hat und besondere Emotionen damit verknüpft.

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    • Mahlzeit Joe,

      naja, die Punkte, die Du zu Episode VIII anführst, sind alle drei Logiklöcher. Aber zuallererst geht es bei einem Film doch um Charaktere, Atmosphäre, Flow, Inszenierung, Intention, was für emotionale Saiten in einem anklingen usw. Logikbugs spielen rein, klar, aber sie kommen, wenn der Film über Zuschauende hinwegwäscht und stimmige, „ablenkende“ Akzente setzt, auf geschätzt Platz 17 der Bewertungsskala. Zumindest ich finde, dass beim reinen Gegenüberstellen von Handlungslücken keine filmwissenschaftliche Diskussion möglich ist.

      Schönes Restwochenende Dir,
      Sebastian

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  4. Eine schöne Folge! Das klingt nach einem interessanten Aufsatz!

    Zur Geschichte mit Liechtenstein: Ich kannte das so, dass die Liechtensteinische Armee ausgezogen ist und mit einem Soldaten mehr zurückgekommen ist. Aber anscheinend war das gar nicht so:

    „Die 80 Liechtensteiner Soldaten kamen mit einem Soldaten mehr heim, den die Truppe als Freund gewonnen hatte. «Es gehen teils bis heute Gerüchte um, dass jener ein österreichischer Dienstverweigerer oder Knecht gewesen sei, der in Liechtenstein Arbeit suchte», erklärt Geiger. Das hingegen stimmt so nicht. Der 81. Mann war ein österreichischer Offizier, der das Kontingent als Verbindungsmann und als eine Art Ehrengarde begleitete.“

    https://www.tagblatt.ch/ostschweiz/werdenberg-obertoggenburg/historisch-80-mann-rueckten-aus-81-kehrten-heim-ld.1006342

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  5. Retro geht auch noch schlimmer: Ich selbst leide an nostalgia-by-proxy… Da sich irgendwie kaum jemand von Freunden und Verwandten an dieselben Dinge erinnert wie ich, lebe ich meine Nostalgie durch euch aus. Sogar viele eurer sehr persönlichen Erfahrungen dienen mir dabei als Spiegel meiner eigenen Erinnerungen, in denen ich dank euch schwelgen kann. Unwahrscheinlicherweise sogar eure Mammutfolge über das Sterncenter, in der ich als absolut Ortsfremder trotzdem viele eigene Jugenderfahrungen wiedererkannt habe.
    Bis vor kurzem habe ich noch nicht einmal genau gewusst, wo Lüdenscheid liegt. Demnächst bin ich aber beruflich mal ein paar Tage in der Gegend und spiele mit dem Gedanken, bei Bucci Junior eine Pizza oder im Citycenter eine Pommes zu essen 🙂

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  6. Ich fand Sebastians Aussage (Achtung, ich paraphrasiere hier) das Zeitalter Ende 90er bis Mitte 2000 würde wenig eigenen Stil hinterlassen sehr spannend.
    Ich würde gerne drauf eingehen wollen. Für mich ist hier die Trennlinie Nine-Eleven und der sich daran anschließende Krieg im Irak – ich finde insgesamt wurde die Popkultur nach den furchtbaren Angriffen in Nordamerika politischer, dystopischer, pessimistischer –
    Und ich finde einige Filme und Produkte dieser Zeit reflektieren das ganz gut wieder: 24 – hätte sicherlich nicht den Impact nach sich gezogen. Auch Battlestar Galactica reflektiert die Fragen nach einer Katastrophe und Zivilisationsbrüchen – hinzu kommt der Aufwind der ganzen Military Serien – nach JAG folgte dann NCIS mit seinen Ablegern.

    Aber auch unabhängig von diesen politischen Wirren sehe ich stilgebende Elemente. So hat sicherlich die Verfilmung von Herr der Ringe den stilistischen Weg bereitet, was man von Fantasy Verfilmungen erwarten darf und zumindest insziatorisch deutliche Duftmarken hinterlassen, die Folgewerke (Harry Potter, Star Wars und Game of Thrones) deutlich beeinflusst haben.

    In Summe eine sehr spannende Diskussion und der Querblick zum Batterie und Scorpion Podcast sehr lohnenwert. Vielen Dank dafür!

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  7. Hammer Sendung! War großartig und es hat mir fast ein bisschen Leid getan, als es vorbei war.

    Witzig, von den Schweizer Soldaten habe ich auch erst kürzlich gelesen.

    Man kann Gutes aus der Vergangenheit einfach kopieren und ggf. ein bisschen an die neuen Zeiten anpassen. Man kann aber auch auf Basis von etwas Althergebrachtem großartige neue Erzählungen von eigenem Wert erschaffen, was vielleicht erst durch den Bezug zu Vergangenheit seine ganz Kraft entfaltet. Nebenbei beschäftigen uns manche Themen eben einfach schon seit Jahrtausenden, wenn nicht noch länger.

    Ein bekanntes Beispiel ist sicherlich Star Wars. George Lucas hat sich an so vielen Vorlagen bedient, dass man ganze Bücher darüber schreiben kann. Das Entscheidende ist aber, dass er diese althergebrachten Bestandteile genommen und etwas großartig Neues auf dieser Basis geschaffen hat. Das muss man ihm lassen.

    Auf Star Trek bezogen, ist dass hier eine der schönsten Antikenrezeptionen, die ich bisher untersucht habe:

    https://fantastischeantike.de/kalypso-und-odysseus-in-de-star-trek-short-treks-episode-calypso/

    Was die Frage angeht, ob nur die Vergangenheit eine Atmosphäre haben kann, fiel mir – auch wenn das nicht das ist, worauf Sebastian hinaus wollte – mein Kollege Felix Zimmermann ein, der über Vergangenheitsatmosphären in digitalen Spielen seine Doktorarbeit geschrieben hat. Das Buch ist noch nicht erschienen, aber hier fasst er ein paar Beobachtungen zusammen:

    https://gespielt.hypotheses.org/2175

    Ich habe auch so ein paar Erinnerungen an Mädchen bzw. später Frauen, die sehr dem ähneln, was der ACT2K da erzählt hat. Da kann ich nur den Kopf über mein vergangenes Ich schütteln bzw. eigentlich müsste ich mir den Kopf gegen die wand hauen 😉

    Das mit dem Erwachsenwerden hat mich sehr lange beschäftigt, was vielleicht auch daran liegt, dass es in unserer Gesellschaft kaum Initiationsriten o.ä. gibt. Gut, man wird 18, man macht einen Schulabschluss und einen Führerschein oder so, aber irgendwie ist man da noch zu jung, um erwachsen zu sein. Heiraten und vor allen Dingen Kinder kriegen sind dann wirklich ein Einschnitt. Wenn man Kinder hat, wird man aus Gründen der Verantwortung wirklich ein bisschen erwachsener. Gleichzeitig – und das ist vielleicht etwas, was mehr für uns gilt als noch für unsere Elterngeneration – kann man mit dem Nachwuchs wieder richtig toll Kind sein.

    In der Uni ist es für mich mit 43 aber bis heute so, dass ich, wenn ich die Student*innen angucke, immer davon ausgehe, dass ich ungefähr so alt bin wie die. Ich thematisiere das manchmal im Unterricht, woraufhin die sich natürlich immer kapputtlachen, weil ich aus deren Perspektive selbstverständlich auf keinen Fall als gleichalt durchgehe. Ich könnte ja locker der Vater sein. Alles eine Frage der Wahrnehmung 😉

    Der ACT2K ist ein großartiger Gesprächspartner!

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