017: Jäger des verlorenen Centers

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In der Heimatstadt unserer Podcast-Crew gab es von 1977 bis 1990 einen Ort, der heute längst verloren ist: Das City-Center Lüdenscheid. Dieses frühe Einkaufszentrum steckte voller Gegensätze, hatte es doch nicht nur die prachtvollsten Spielwarengeschäfte und einen legendären Plattenladen, sondern auch eine einmalig finstere Atmosphäre und Passagen, die sich in entlegenen, anrüchigen Winkeln verloren.

Diese Mischung aus warmen Kindheitserinnerungen und geheimnisvoller Mulmigkeit faszinierte eine ganze Generation von Lüdenscheidern. So auch Sebastian, der sich mit Jan, Simon und Gerrit sowie einer ganzen Reihe Zeitzeugen auf die Suche nach diesem Konsum-Atlantis macht, über das man in den Weiten des Internets seltsamerweise nahezu nichts mehr findet. Begleitet uns auf der Jagd nach dem verlorenen Center.

Unser Dank gilt allen Gästen und Unterstützern (in order of appearance): Sebastians Mutter, Eckhard Linden, Manfred Meyer, Fabian Paffendorf, Jutta Höschler, Wolfgang Büld und Torsten Schulze.

37 Gedanken zu “017: Jäger des verlorenen Centers

  1. Tolle Folge! Ich mag so zusammengeschnittene Podcasts meist nicht so sehr, aber hier setzen die unterschiedlichen Perspektiven ein schönes Bild zusammen.

    Es erinnerte mich auch sehr an verschiedene Einkaufscenter hier in Berlin, in denen ich in meiner Kindheit Zeit verbrachte. Eines, das bis heute z.B. fast unverändert wirkt, ist das Europacenter am Kudamm. Was ihr über das City Center erzählt, klingt recht ähnlich (düster, etwas abgefuckt etc). Heute da durch zu laufen, ist, als ob man durch die Vergangenheit läuft. Sehr schade, das generell so viel abgerissen und neu aufgebaut wird.

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    • Danke für Deinen Kommentar – es freut mich sehr zu lesen, dass die Einzelteile für Dich ein Mosaik ergeben haben.

      Der Hinweis aufs Europa-Center stimmt auf jeden Fall, guter Hinweise! Da gibts zwar auch hellere und offene Bereiche, aber gerade rund um die Wasseruhr gab es vor ein paar Jahren noch „herrlich“ dunkle Fassaden (Kartoffelkiste), auch wenn selbst da die Decke hell und Glas ist. Ist das heute immer noch so?

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  2. Hallo,
    Habe schon mal kurz reingehört. Klasse Idee mit dem City Center Podcast.
    Kleiner Hinweis zum Schuhhaus Böhmer.
    Schuhaus Böhmer war im alten Krause Gebäude , heute der Leerstand von Peek & Cloppenburg.
    Den Namen des Schuhgeschäftes im CCL weiß ich aber auch nicht mehr.

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    • Frank, danke für Dein Lob und den Hinweis!
      Mittlerweile durfte ich – Fabian sei Dank – auch mal Mieterpläne sehen. Eine der Etagen ist Basis für unser Titelbild. Die Pläne hätten wir komplett verlesen können, aber das wäre etwas langweilig geworden. Also, kurzum: Im Center war nicht Böhmer, sondern Bata.

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  3. Pingback: Der Ruhrpilot | Ruhrbarone

  4. Über den Beitrag in der Facebook Gruppe „Du bist Lüdenscheider, wenn…“ habe ich von der Rueckspultaste erfahren.
    Als jemand der in seiner Jugend sehr viel Zeit im CCL verbracht hat, habe ich natürlich sehr gespannt auf die Sendung gewartet.
    Zum einen war es eine Reise in die Vergangenheit bei der man in Erinnerungen schwelgen konnte und Dinge erfahren hat, die man noch nicht wusste.
    Zum anderen gab es auch viele neue und interessante Informationen. Die Entwicklung und das Konzept der Einkaufscentren fand ich sehr interessant.
    Ja und lustig war es auch. Fabians Analyse des Lüdenscheiders der 70er hat mich sehr zum Lachen gebracht 😉
    Vielen Dank für eine kurzweilige, interessante Sendung und auch Dank an die Leute die die Interviews gegeben haben!

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  5. Lieber Sebastian,
    vielen Dank an dich und alle Beteiligten für die langersehnte akustische Zeitreise ins CCL. Ich war sofort wieder drin und sehe nun, auch ohne Bilder, alles wieder viel deutlicher vor meinem inneren Auge. Der Sog des schwarz-orangen Lochs, ein brutalistischer Traum in Beton.
    Auch wenn die Architektur des Europacenters dem CCL lange nicht das Wasser reichen kann, das Gefühl beim Hören passt perfekt zu diesem Filmausschnitt: https://www.youtube.com/watch?v=oXjV-Yuwj3w
    Grüße aus Berlin in die alte Heimat!

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    • Noch ein Nachtrag zum Thema Zoohandlung Welke und Papagei: Welke war zwar nie im City Center, aber ich kann den Papagei, den du in Erinnerung hast, bestätigen. Denn ein Restaurant am Ende des Ganges auf der Ebene der Plattenbörse, wenn man Richtung Tierschutzladen, Reformhaus, Friseursalon Riepegerste (rechts für Erwachsene, links für Kinder mit den tollen Stühlen in Auto oder Pferdform), hatte tatsächlich einen Papagei, der immer draußen auf einer Stange saß. Wie das Restaurant hieß, weiß ich allerdings nicht mehr. Ich glaube es war ein Italiener (Pietro? Vitorino?) und der Papagei war ein schöner bunter Ara.

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      • Daniela, natürlich, danke Dir! Welke hatte ja auch einen sprechenden Papagei – und so hat meine Erinnerung aus den zwei Vögeln einfach einen gemacht. Als ich Deinen Kommentar las, reaktivierte sofort die richtige Synapse und ich sah den Eingangsbereich des Restaurants vor meinem inneren Auge. Damit hast Du ein Lebensrätsel gelöst, das mindestens ein Vierteljahrhundert alt ist. Das Bild vom Center in meinem Kopf wird immer klarer und es melden sich immer mehr Leute. Außerdem gibt es noch ein paar Interviewpartner, die ich aus Zeitgründen nicht mehr mit in die Sendung nahm. Ob wir irgendwann eine Fortsetzung machen sollen? Hm.

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  6. Ich habe mich auch gewundert , warum man nichts über das City Center findet.. Da werden Erinnerungen wach :Der Würstchen Mann, der die d. Sauerländer verkaufte, die Plattenbörse und der bis heute unschlagbar gute Imbiss von M.Lischka ? Vielleicht wäre eine Nostalgie Führung spannend ? Wo befand sich was ? War ewig nicht mehr da. Gruss aus Köln,

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      • Sorry, aber da damals die analogen Fotoapparate noch kein Datum in die Bilder geschrieben haben weiß ich es leider nicht mehr. Ich habe meine alten Dias vor Jahren eingescannt und dann aus der Erinnerung ein Datum in den Dateinamen eingetragen, wie es bei Flickr zu sehen ist. Bei Papierbildern hat man ja teilweise einen Aufdruck der Entwicklung. aber ich hatte damals fast ausschließlich Dias. In der Regel dann für Sommerfotos den 01.Juni und für Winterfotos den 1.Dezember, da ich das Tagesdatum natürlich überhaupt nicht mehr weiß. Das Jahr war geschätzt. Aber wenn es Gründe gibt, warum es nicht stimmen kann, dann würde ich es gerne korrigieren. Ich weiß es nur nicht mehr besser …

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      • So von den Klamotten der Leute auf dem Foto her: Enge körperbetonte Shirts, weiße Jeans, Muscle Shirt, Blautöne in der Damenmode. Die Aufnahme müsste so in den sehr frühen 80ern oder sehr späten 70ern entstanden sein. Aber das ist reine Spekulation von mir.

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  7. Das Foto von Uwe Koch muss mit ziemlicher Sicherheit zwischen 1985 und 1988 entstanden sein.
    Hinweise dafür sind: Zu sehen ist ein Schild von Pietros Le Petit. Das gab es in der Sterngasse erst um 1984/85, da vorher Pietros Restaurante im ersten OG des Centers war. Zuvor hatte im kleinen Ladenlokal wo das heute noch ist die Metzgerei Geier einen Verkaufsraum.Auch der Totalausverkauf des Teppich Basars deutet auf diesen Zeitraum hin. Ebenso machen die damaligen Laternen einen noch zu guten Eindruck. Diese wurden eigentlich andauernd Opfer von Vandalismus. Ich würde daher auf 1986 als Aufnahmedatum tippen.

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  8. Hallo und danke für diese Mammutfolge und all die Mühen, die hier investiert wurden (aus Einzelelementen zusammengesetzte Podcasts sind toll!).

    Ähnlich wie bei der ersten Schulfolge dachte ich hier wieder: „Gut, eine Sendung zu einem Einkaufszentrum, das ich nie gesehen habe. Was soll mir das schon bringen?“ Und wieder habt ihr mich eines Besseren belehrt, denn ich habe angefangen, ausgehend von der auch für Nicht-Kenner des CCL wie mich spannenden Zeitreise, über die versunkene Konsumwelt meiner Kindheit und Jugend in Niedersachsen nachzudenken.

    Natürlich hatten auch wir in der Nähe ein solches Zentrum. Bei uns schimpfte es sich „Leine-Center“ und existiert heute noch, wenn auch als austauschbares Konstrukt von der Stange mit dem üblichen Betreiber. Die alte Version war verschachtelter, dunkler und ganz leicht abgeranzt, wenn auch nicht von Graffiti und Alkoholikern gesäumt; dennoch hatte auch dieses Zentrum etwas Bunker-haftes. Aber es hängen so viele tolle Erinnerungen daran: von vielen Buchkäufen und der Spielzeugabteilung, von der Aufregung, dorthin zum ersten Mal ohne elterliche Begleitung mit der Straßenbahn gefahren zu sein, vom ersten DVD-Kauf in der rückblickend sehr gut sortierten Elektronikabteilung.

    Übrigens scheint hier das gleiche Phänomen zu existieren wie beim CCL: es gibt keine Bilder. Ich habe zwar (noch) nicht so tiefgehend recherchiert, aber eine kurze Übersicht fördert nur aktuelle Aufnamen zutage. Die 90er und frühen 2000ner sind hier nicht existient, wahrscheinlich auch nicht die Zeiten davor. Es stimmt schon, warum sollte man als Privatperson ein Einkaufszentrum fotografieren, noch dazu innen? Rückblickend kann man nur wieder einmal sagen: Hätte man es mal getan.

    Wie immer: macht weiter so, es ist immer eine Wohltat für Ohren und Seele, euch zuzuhören!

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    • Na klar kennen wir das – immerhin ist CCL-Aktuell das Projekt vom Fabian, der ja auch eine knappe Stunde lang im Podcast vertreten ist. Er tut da großartige Arbeit, liefert unvergessliche Einblicke und ist, wie er mir neulich verriet, noch lange nicht am Ende seines riesigen Archivs.

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  9. Zu der Zeit als ich gerade mal 16 Jahre alt war, also 1982 /83, gab es drei wichtige Anlaufstellen im CCL. Von der Schule mit dem Bus zum Sauerfeld und dann die Zeit totschlagen im CCL, rein in den Kaufhof, genauer in die Spieleabteilung des Kaufhofs. Hier gab es schon die ersten elektronischen Spielgeräte. Aus heutiger Sicht waren diese Gerätschaften etwas primitiv. Ich habe dann Ping-Pong auf einem Röhrenfernseher gespielt oder mit einer Pistole auf eine Klötzchengrafik geschossen. Irgendwann kam ein Skat- oder Schachcomputer dazu. Der Andrang an den ausgestellten Geräten wurde grösser und der Spielende vergass die Zeit, dann kam ein ermahnender Verkäufer um das Spiel zu beenden. Warscheinlich habe ich durch diesen Impuls eine weitere Stelle im CCL für mich entdeckt. Eine starke Anziehung haben die Videospielgeräte und Flipper im Spielhallenbereich des Erdgeschosses gehabt. An Videospielen wie Donkey-Kong, Centipede, Bezerker, Tempest und Missile Command habe ich meine Reaktion und Geschicklichkeit trainiert. Mit Gleichgesinnten habe ich es bei dem Missile Command bis zur Perfektion gebracht, ich konnte mit einer Mark solange spielen wie ich wollte. Die Spielhallenaufsicht meinte, ich würde den Automaten betrügen. Dann war da noch das Hifi-Land, ein ganz feiner Laden voll mit sündhaft teuren Hifi Anlagen und Lautsprechern, die ich mir sowieso nicht leisten konnte. Heute gibt es auf Ebay zu erschwinglichen Preisen genau diese Anlagen nach 35 Jahren noch zu kaufen. Die Plattenbörse war auch ein guter Zeitvertreib. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern was ganz oben im CCL untergebracht war. Ich weiss nur, das dort ein Pornoshop existiert hat mit Videokabinen. Was war da oben noch alles?

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  10. Heute bin ich auf der Rückfahrt aus der Schweiz endlich mal dazu gekommen die Folge über den CCL zu hören. Ich muss dazusagen, das ich eigentlich nie Hörbücher höre sondern nur Musik während der Fahrt. Aber ich war sofort gefangen, fühlte mich teilweise als würde ich gerade selbst wieder durch das Center laufen. Ich bin Baujahr 72 und kann mich wirklich sehr gut an das düstere CCL erinnern, auch was es für ein Schock damals war, das es geschlossen wurde. Mit dem schließen des CCL‘s müsste nämlich damals auch leider das Image schließen, für mich noch immer die Diskothek in Lüdenscheid! Es war eine tolle Zeitreise und hat mir die Fahrt sehr versüßt, danach habe ich mir gleich noch eine Folge von euch reingezogen. Vielen Dank dafür!

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  11. Sind wir nicht alle ein bischen CCL ??
    Ich glaube, alle Nicht-Lüdenscheider so wie ich, können in dieser Folge etwas aus ihrer Vergangenheit
    in ihrer City entdecken. So scheint es für alte Zeiten ein Muss, dass es bestimmte Kaufhäuser wie Karstadt als „Leuchtturm“ gab, und drumherum allerlei Geschäfte und auch dunkle Ecken. Und ein bis zwei ORiginale hatte eine Stadt meist auch zu bieten. Bei uns war es Waldi, der wohl harmlos wie euer Hellmo war. Einfach immer da, von Kindern verspottet, usw.
    Aber gerade diese Originale gibt es nicht mehr in den Städten, das bringt scheinbar die Zeit so mit sich. Denn auch in vielen Städten – so auch bei uns – schließen die Leuchttürme, und es bleiben 1-Euro-Läden und Leerstand.
    DAnke für diese Folge

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  12. lieber Sebastian,
    das war die letzte Folge, die ich mir vom Rückspultasten-Cast angehört habe, nachdem ich alles andere durch hatte. Ich war skeptisch, ob mich das interessieren würde.
    Als es dann los ging, bin ich selbst ganz ganz tief in meine Kindheit eingetaucht, genauso, wie Du es Dir in Deiner Ansage ja so ein bisschen erhofft hast.
    In meiner Heimatstadt gibt es seit 1974 so ein Zentrum, es war jedoch von Anfang an Innenzentrum konzipiert, ohne Beton.
    Ich wohne bis heute nur ca. 200 m Luftlinie davon weg. Das Zentrum, früher nur „einkaufszentrum“, heute „Rhein-Neckar-Zentrum“ hat mich also zeit meines Lebens begleitet. Zunächst, so wie es bei Dir auch war, zum einkaufen mit Mama, später dann traf ich mich um 14:30 h (immer um diese Uhrzeit!) vorm Bäcker Pfenning mit meiner Freundin Andrea und wir sind dann zusammen da hin, das war so ab 7. Klasse (ca. 1978), Geld hatten wir natürlich keines, aber einmal hoch und runter laufen, und zwischendrin auf ne Bank setzen und Leute gucken, das ging immer.

    In der Mitte des Zentrums gab es einen großen Brunnen, zum dran sitzen. Oben an der höchsten STelle der Wand war ein Uhr installiert, der genauso aussah wie die Uhr in der Hitparade.

    Mein einer Klassenkamerad war der Sohn des Hausmeisters, seine Mutter saß in der Info-Bude, sie wohnten im EKZ. Da wir aber außerhalb der Schule nicht befreundet waren, war ich da leider nie in der Wohnung drin.

    Auch in unserem EKZ gab es eine Disco (Name fällt mir grad nicht mehr ein) und auch eine Spielhalle, da hab ich mich als Mädchen erst ganz spät reingetraut, da war ich shcon Ü18, mit Clique, zum Billard-Spielen (spielt man noch Billard?).
    Es gab außerdem die „Phora“, das war das Gegenstück zum Eurem Plattenladen. Die hatten nicht nur Platten, sondern auch Unterhaltungs-Elektrogeräte und Foto-Abteilung.
    Der Ankermieter war Hertie und C&A. Und es gab sogar ein Möbelhaus.

    Tja, Hertie ist jetzt Karstadt, Phora, Disco, Spielhalle, Möbelhaus gibt es schon lange nicht mehr. Das RNZ wurde mehrfach umgebaut, und sieht jetzt so aus, wie alle Zentren in der Bundesrepublik, mit den gleichen Läden, wird auch von der ECE gemanged.

    Ich könnte noch lange weiterschreiben, aber ist ja nicht so interessant für Euch. Ich treffe mich aber demnächst mit meiner Klassenfreundin mal wieder, und ganz bestimmt was das Zetrum diesmal ein ausführliches Gesprächsthema sein.

    Vielen Dank für Deinen langen Cast, der auch mich in alte Zeiten entführte und Erinnerungen hervorgerufen hat, die ich schon längst vergessen hatte.

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  14. Hallo Sebastian,

    ich habe mir nun in vier Tagen Stück für Sück die Folge zum City Center angehört. Ich bin noch nie in Lüdenscheid gewesen und meine erste Center Erfahrung ist das Allee-Center in Remscheid, dass der Hausmeister in deinem Podcast ja auch erwähnt. Ich fand es aber während des Hörens zunehmend spannend und man bekommt mit, wieviel Arbeit und Zeit du investiert hast. Super ausführlich und interessant. Für sowas sind Podcasts gedacht. Ich freue mich auf jeden Fall, mich weiter durch die Folgen zu hören. Keep up the good work!

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  15. Großartige Folge eines großartigen Podcasts. Ich habe sie mir lange aufgespart, und jetzt habe ich genug Zeit gefunden, sie gestückelt zu hören.

    Ich bin nicht aus Lüdenscheid und war noch nie dort. Aber es werden so viele Erinnerungen aus dem Einmachglas geschüttet! Da Einkaufszentren und kindheitliche Eindrücke dort oft ähnlich sind, gab es natürlich viele Übereinstimmungen. Wenn man aus seiner Heimat schon jung weggezogen ist, und nicht so häufig die Möglichkeit hat, an die Orte zurückzukehren, ist so ein Audiostreifzug ein Segen. Die Orte verändern sich ja, wie ihr oft genug in euren Podcasts feststellt. Und verlorene Orte gibt es ja auch zuhauf. Spontan fallen mir da in Unterschleissheim das IAZ Einkaufszentrum ein; der Wertkauf in München; das kleine Kino in meiner Heimatstadt Neufahrn oder das Kino in Freising des selben Betreibers; die Rutsche am Autohof Geiselwind, die von einer höhergelegenen Parkebene zur unteren führte. Manchmal bin ich fast empört, wenn der Eigentümer einer öffentlich zugänglichen Anlage Änderungen vornimmt und das ganze nachher nicht mehr wie damals aussieht.

    Ich mache nun gelegentlich Fotos und viele Videos mit meinen Kindern, wo dann auch viel von den Orten mit im Motiv ist. Schon jetzt innerhalb von 6 Jahren gibt es für sie Plätze, die sich verändert haben. So nehmen sie wenigstens die Bilder mit. Fotos, Schmalfilme und selbst besprochene Kassetten (eine art frühe Podcast-Übung) gibt es zwar auch aus meiner Kindheit. Für meinen Geschmack aber immer noch zu wenig. Wer hätte früher gedacht, dass ich mal so nostalgisch veranlagt werde.

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  18. Großartige Folge!

    Immer, wenn von CCL die Rede war, war ich gedanklich sofort bei CCAA. Prägung 😉

    Ich musste während des Hörens an eine Doku über Bahnhofkinos denken, die ich mal gesehen habe. Damals (TM) hatten wohl recht viele Bahnhöfe ein Kino, um den Reisenden die Wartezeit zu verkürzen. (Fände ich auch heue noch gut.) Irgendwann wurden diese Kinos nicht mehr ausreichend genutzt, sodass sich ein Teil davon in Sexkinos o.ä verwandelte. Und hier kamen dann manche Besitzer*innen irgendwann mal auf die Idee, die schmuddeligen Dinger zu renovieren, woraufhin ein guter Teil der Stammkundschaft nicht mehr kam. Denn die Besucher*innen dieser ranzigen Sexkinos gingen scheinbar dort hin, um etwas „Schmutziges“ und „Anrüchiges“ zu tun. Sie besuchten diese Etablissements eben weil sie so heruntergekommen waren und konnten daher mit den frisch renovierten Hochglanz-Pornokinos nichts anfangen. Fand ich super spannend.

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  19. Moin zusammen,

    Eine sehr interessante Folge, auch wenn ich weder Lüdenscheid kenne noch Einkaufszentren in meiner Kindheit eine Rolle gespielt hätten, denn die fand vorwiegend in den 1960ern und frühen 1970ern statt, und in Bremen-Nord davon weit uns breit nichts zu sehen.

    Hinzu kommt, dass Arbeiterfamilien in dieser Zeit noch nicht den Wohlstandszuwachs erlebt hatten, weil dieser erst in den 1970ern Fahrt aufnahm. Konsum allgemein war sich um das Essen zu kümmern, Kleidung trugen Geschwister untereinander auf, und für große Extras war schlichtweg kein Geld mehr übrig. Man war zu extemer Sparsamkeit gezwungen.

    Es liegt aber wohl in der Natur der Sache, dass, ganz egal wo Kinder aufwachsen, ob im Zentrum Lüdenscheids, auf einem Bauernhof oder in der Betonwüste Köln Chorweilers, sich alle Erwachsenen irgendwann mit Wehmut an die schöne Kinderzeit erinnern, wenn sie nicht gerade Gewalt und Misshandlung oder andere schreckliche Dinge erfahren haben. Wir hatten das Thema schon, dass Erinnerungen nach 20 bis 30 Jahren beginnen positiv verklärt zu werden. Aus genau diesem Grund kommt niemand auf die Idee, HEUTE mit der Kamera (bei Digitalfotografie kostet es ja quasi nichts!) herumzulaufen und zu fotografieren. Erst in ferner Zukunft erscheint uns das Heute als bedeutsam und erinnerungswürdig. Dass es immer gut ist, alle gemeinsamen Erlebnisse zu fotografieren und diese Fotos (heute „Dateien“) auch zu bewahren, merke ich immer wieder, da ich, aus der Fotobranche kommend, das einigermaßen sicher betreibe, während viele andere häufig beim Kauf eines neuen Smartphones ihr Fotogedächtnis leichtfertig wegwerfen. Dabei ist es eine Sache von 1 bis 5 Minuten den gesamten Bildspeicher auf eine externe Festplatte oder Flashspeicher zu überspielen.

    Daher lasse ich mich da mal fies zu der These herab, dass das Lüdenscheider City Center nichts weiter als einer der vielen damaligen Fehltritte des deutschen Einzelhandels war und Eure Erinnerung ebenso die Kaufmannsladenkultur verklären würde, die vorher bestand, hätte man das Zentrum nicht gebaut. Das Phänomen wohnt einfach in unserem Geist! (Was die warme Kuscheligkeit der Erinnerung nicht mindern oder schlecht reden soll).

    In Bremen Nord, dort wo ich aufwuchs, gab es nur die kleineren Läden. Bäcker Metag, der mit dem handgemachten „Eckbrot“ aus Sauerteig, Edeka Schwarze, wo ich an der Wursttheke das Scheibchen Fleischwurst mit der großen Gabel über die Theke gereicht bekam, und wo meine Mutter, als ich etwas größer war, selbst Fleischwarenfachverkäuferin wurde, weil Herr Schwarze sie so patent fand un anheuerte. Und Frau Kraska, die schon eher das kleine Kinderwunderland betrieb, ein Schreibwarengeschäft mit durchaus teils kindgerechtem Sortiment, aber viel sensationeller, Silvesterknallern, die ich zwar mit Papa zusammen kaufen durfte, die aber nur er abbrannte und wir guckten zu dabei. Faszinierend fand ich das Raumschiff-Orion-Ufo auf Frau Kraskas Theke: eine Maschine aus blaugehämmertem Stahl, irgendwie eckig-eiförmig im Stil der 60er oben, oben drauf eine rote und grüne Lampe. Das Teil hatte einen Schlitz, es wurden die Lottoscheine hinein gesteckt, die damals Formulare mit drei Pauspapierkopien waren, die Maschine machte laut „rrrr-rrrr“ es leuchtete rot, dann grün, das Lottoformular wurde geteilt, Kopie für Mutti, die anderen verschwanden in geheimnisvollen Holzschubladen und niemals erfuhr ich, was mit denen dann geschehen sollte.

    Das was einem „Einkaufsparadies“ am nächsten kam, war das Hertie-Kaufhaus am Sedanplatz in Bremen-Vegesack. Das heißt wirklich so, weil den Matrosen dort früher die Geldbeutel von den Damen des horizontalen Gewerbes „gefegt“ wurden. Die Einheimischen sprachen den Platz „Seh-Danns-Platz“ aus, Betonung erste Silbe. Hertie hatte eine Sensation zu bieten, die einzigen Rolltreppen in ganz Bremen-Nord. Die Spielwarenabteilung war natürlich mein Liebstes (wie auch die entsprechenden Seiten des Quelle Katalogs), aber ich vermute, dass Mutti immer geschickt den Weg dorthin vermied, denn ich habe nicht viele Erinnerungen. Umso mehr an den Märchenwald. Der wurde in der Adventszeit auf dem Flachdach des 4geschossigen Hauses aufgebaut mit echten Nadelgehölzen, die nach Wald dufteten. Dieser Geruch mischte sich mit dem von gebrannten Mandeln und Kräuterbonbons, frisch gerührtem Eis und Liebesäpfeln, und überall gab es kleine Hütten, einen Münzeinwurf für zehn Pfennige, worauf sich innen eine animierte Märchengeschichte mit Figuren in Gang setzte. Als wir dann mal irgendwann in Bremen (also Stadtmitte) waren im riesigen Horten-Warenhaus mit dem gigantischen Lampenkandelaber im Lichthof, wurde mir fast schwindelig vom exzessiven Fahren auf den sternförmig angeordneten Rolltreppen.

    Nach dem Abitur machte ich in eben diesem Bremen Vegesack meine Ausbildung in einem Fotografen Meisterbetrieb, Einzelhandelskaufmann. Später wurde ich Abteilungsleiter bei Karstadt nach einer Trainee-Zeit in diversen Warenhäusern des Unternehmens. Die Warenwunderwelt war mein berufliches Zuhause geworden. Aber natürlich um einiges entzaubert, denn bereits in den 1980er Jahren war der Konkurrenzdruck immens, die Filialisten, Saturn, Modeketten mit mehr als 2 Saisonsortimenten machten Druck. In Berlin gleich nach dem Mauerfall tätig zu sein, das war einer der ganz großen glücklichen Fügungen in meinem Leben bis dahin, denn gerade im Warenhaus Charlottenburgs, wo Ost und West so intensiv aufeinander trafen wie sonst nirgendwo, war Einzelhandel in diesen Tagen ein Abenteuer ohne Beispiel. (Ich arbeitete wie bekloppt und verdiente mich dumm und dusselig).

    Aus Euren Erzählungen höre ich auch heraus, dass man immer versuchte, Lenkung, Anziehung, Attraktion auf Kunden auszuüben. Als Warenhausmirarbeiter sah ich bei all den Versuchen, das Rad neu zu erfinden, wie man sich immer wieder an den USA orientieren wollte. Die US-Konsummaschine galt immer als leuchtendes Beispiel. Man wollte deren Konzept ergründen, kopieren, importieren. Dann sollte es in Deutschland ebenso geschmiert laufen wie dort. Was man übersah: Amis zahlten mit Revolving Credit Cards und waren oft heillos überschuldet, ein Verhalten, dass auf den sparsamen und teils geizigen Nachkriegsdeutschen, der seinen aufkeimenden Wohlstand offenbar nicht bemerkt hatte (jedenfalls legte sich die exzessive Sparsamkeit kaum) nicht 1:1 anwenden konnte.
    Delegationen, inkl. mein Chef mit großer Flugangst, wurden zu Dienstreisen nach New York verpflichtet, um das Konsumgeheimnis der Amerikaner zu lüften. Zurück kamen sie mit so fundamentalen Erkenntnissen wie Kundenfrequenzanalye und Gänge im Warenhaus nicht mehr schachbrettartig, sondern verschlungen anzuordnen, so dass man die Kunden „lenken“ konnte. Ergebnis: Otto renitenter Eigenbrötler nahm natürlich die „Abkürzung“ zwischen Socken und Parfum hindurch. Millionen wurden verbraten, ganze Innenstädte nachts für Schwerlasttransporte abgesperrt, wenn Karstadt mal wieder 12 neue größere schönere Rolltreppen in ein mit Betonsägen vergrößertes Atrium von oben per Kran hinein hieven wollte. Das alles sollte dann auf magische Weise zu mehr Umsatz und Gewinn führen. So mussten wir planen. Ging die Rechnung auf? 1 + 1 = 5?

    In den 1990erm arbeiteten wir, egal in welcher Stadt, fast in jedem Haus nur noch auf Baustellen. Ende der 1990er hatte ich die Nase voll, die Stimmung war mies, Hertie pleite, von Karstadt übernommen. Horten erledigt, von Kaufhof übernommen, wir wissen wie es weiter ging. Ich wechselte zur Airline Industrie, beste Entscheidung ever!

    Das Einkaudszentrum ist, denke ich, eine uramerikanische Erfindung und eng mit dem Suburbs, den endlosen Vororten aus Meeren von Einfamilienalpträumen verknüpft. Das hat da lange gut funktioniert. Inzwischen kennt man auch dort zahlreiche Ruinen, nicht zuletzt Amazon sei Undank. Viele Innenstadtbereiche verödeten. Gerade kürzlich war ich in Downtown Miami, gleich küstennah hinter dem McArthur Causeway Richtung Miami Beach. 2 Stunden Parken 10 USD, aber alles leer, heruntergekommen und nur noch ein völlig verranzter Ross Dress For Less vertickte seine Billigklamotten. Ödnis pur. Da will niemand hin.

    Der Kuchen ist nicht unendlich zu vergrößern, das muss man einfach wissen. Einkaufszentren in Innenstädten, dafür aber historische Bausubstanz schleifen wie in Lüdenscheid, ist das weise? Ich kenne den Standort nicht, aber ich erlaube mir ein Fragezeichen. Ihr habt von der Konkurrenzsituation gesprochen, die für andere Läden das Aus bedeuteten. Shopping Mall auf der Wiese, Wertheim Village und ähnliche, das mag Erfolg haben, doch die Innenstadt spürt es sofort. Ach, man kann so gut parken (kostenlos), man kriegt ja alles, und dann wird über Downtowns Verödung gejammert?

    Nun dominieren inzwischen die Filialisten, sie zahlen jeden Preis, nur damit nicht die Konkurrenz eine begehrte Ladenfläche anmietet. Zur Not auch 2x H&M im Abstand von 450 Metern. Primark, Nordsee, dm, Rossmann, Victorias Offene Geheimnisse, Dunkin Donuts und die üblichen Verdächtigen des schlechten Geschmacks, Accessorize (alles urdeutsche Familienunternehmen), kennste eins, kennste alle. Wer soll sich denn da noch hinlocken lassen? Man nennt sich Outlet und suggeriert, dass es Abverkauf von Überproduktion gäbe. Dabei produzieren Markenhersteller spezielle Outletware billigst und in übelster Qualität nur für diese Läden.

    Handel ist Wandel, und das gilt umso mehr als wir uns über unseren Überkonsum, dessen ökologische Folgen und die Wirkungen der Monopolisierung durch Amazon & Co. Gedanken machen sollten. Weiterhin handeln wir schizophren wie bei allen zu beklagenden Missständen, denn wir fördern weiter das, was wir eigentlich nicht wollen. Ach, es machen ja alle mit.

    Jedes Produkt ist inzwischen zu jeder Tages- und Nachtzeit per Fingertipp verfügbar, die Magie der Beratung, des Erlebnisses des Gezeigtbekommens und der Haptik, des Geruchs und der Atmosphäre des Ortes mit seinen Verlockungen ist fast ausgestorben, mit ihm auch der kauzige Fachmann im grauen Kittel, den ich im Meisterbetrieb noch sah, dessen Fotoladen von 1920 stammte, der flink auf einer Leiter herumturnte, fast blind nach einem Schubfach in schwindelerregender Höhe griff, und ein 45 Jahre altes absurdes Ersatzteil für einen Kunden hervorzauberte, welcher sogleich einen Freudentanz aufführte, leider vorbei. Aufgegeben, tatsächlich verstorben und mangels Bedarf kein Nachfolger mehr gefunden.

    Wir haben heute andere Freuden, so hoffe ich. Wir haben unsere Erinnerungen, und wir haben zum Glück die Rückspultaste, einen virtuellen aber sehr schönen Ort, um sich an das zu erinnern, was uns einst prägte. Danke!!!

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    • Das Lesens deines Posts war wie eine mini Rückspultaste. Und ja wahrscheinlich hast du Recht. Zum einen sind wir halt keine Amerikaner und das was da so lange funktioniert hat hat hier halt nur bedingt funktioniert. Und ja natürlich sehen wir dir Vergangenheit immer toller als sie wahrscheinlich tatsächlich war. Und die Idee immer höher zu wollen muss irgendwie wohl zu einem Absturz führen, irgendwann ist die Fahnenstange wohl oder übel zu Ende. Was interessanter weise aber auch zumindest in Teilen zu einer Art Rolle rückwärts führt. Zumindest auch hier ( Provinz mitten in Ostwestfalen) und ebenfalls mit der irrsinnigen Idee von 2 Centern, eins auf der grünen Wiese und eins in der Innenstadt, wovon eines komplett gescheitert ist und eins naja Filialisten halt. Aber immerhin hält das genau die halt auch aus der Innenstadt. So das die Stadt seit ein paar Jahren doch wieder ein bisschen Aufwind bekommt. Klimaschutz, bio und vegan sei dank. Und auch wenn viele der kleinen Geschäfte Optiker, Bäckerein ( ja tatsächlich ein paar mit eigener Backstube) und Cafés sind , es sind einige neue hinzu gekommen, die leerstände übernommen haben. Ich bin gespannt wo das alles noch hinführt. Die aktuelle Situationen in der Welt machen ja leider sehr nachdenklich aber die Hoffnung sollte man ja nie verlieren.

      Und zu dieser Folge der Rückspultaste, es ist und bleibt eine meiner liebsten Folgen die ich bestimmt schon 5-6 x gehört habe.

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  20. Pingback: Episode 084 – Auf einen Drink im Rockstar Social club – Sie reden!

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