017: Jäger des verlorenen Centers

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In der Heimatstadt unserer Podcast-Crew gab es von 1977 bis 1990 einen Ort, der heute längst verloren ist: Das City-Center Lüdenscheid. Dieses frühe Einkaufszentrum steckte voller Gegensätze, hatte es doch nicht nur die prachtvollsten Spielwarengeschäfte und einen legendären Plattenladen, sondern auch eine einmalig finstere Atmosphäre und Passagen, die sich in entlegenen, anrüchigen Winkeln verloren.

Diese Mischung aus warmen Kindheitserinnerungen und geheimnisvoller Mulmigkeit faszinierte eine ganze Generation von Lüdenscheidern. So auch Sebastian, der sich mit Jan, Simon und Gerrit sowie einer ganzen Reihe Zeitzeugen auf die Suche nach diesem Konsum-Atlantis macht, über das man in den Weiten des Internets seltsamerweise nahezu nichts mehr findet. Begleitet uns auf der Jagd nach dem verlorenen Center.

Unser Dank gilt allen Gästen und Unterstützern (in order of appearance): Sebastians Mutter, Eckhard Linden, Manfred Meyer, Fabian Paffendorf, Jutta Höschler, Wolfgang Büld und Torsten Schulze.

23 Gedanken zu “017: Jäger des verlorenen Centers

  1. Tolle Folge! Ich mag so zusammengeschnittene Podcasts meist nicht so sehr, aber hier setzen die unterschiedlichen Perspektiven ein schönes Bild zusammen.

    Es erinnerte mich auch sehr an verschiedene Einkaufscenter hier in Berlin, in denen ich in meiner Kindheit Zeit verbrachte. Eines, das bis heute z.B. fast unverändert wirkt, ist das Europacenter am Kudamm. Was ihr über das City Center erzählt, klingt recht ähnlich (düster, etwas abgefuckt etc). Heute da durch zu laufen, ist, als ob man durch die Vergangenheit läuft. Sehr schade, das generell so viel abgerissen und neu aufgebaut wird.

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    • Danke für Deinen Kommentar – es freut mich sehr zu lesen, dass die Einzelteile für Dich ein Mosaik ergeben haben.

      Der Hinweis aufs Europa-Center stimmt auf jeden Fall, guter Hinweise! Da gibts zwar auch hellere und offene Bereiche, aber gerade rund um die Wasseruhr gab es vor ein paar Jahren noch „herrlich“ dunkle Fassaden (Kartoffelkiste), auch wenn selbst da die Decke hell und Glas ist. Ist das heute immer noch so?

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  2. Hallo,
    Habe schon mal kurz reingehört. Klasse Idee mit dem City Center Podcast.
    Kleiner Hinweis zum Schuhhaus Böhmer.
    Schuhaus Böhmer war im alten Krause Gebäude , heute der Leerstand von Peek & Cloppenburg.
    Den Namen des Schuhgeschäftes im CCL weiß ich aber auch nicht mehr.

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    • Frank, danke für Dein Lob und den Hinweis!
      Mittlerweile durfte ich – Fabian sei Dank – auch mal Mieterpläne sehen. Eine der Etagen ist Basis für unser Titelbild. Die Pläne hätten wir komplett verlesen können, aber das wäre etwas langweilig geworden. Also, kurzum: Im Center war nicht Böhmer, sondern Bata.

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  3. Pingback: Der Ruhrpilot | Ruhrbarone

  4. Über den Beitrag in der Facebook Gruppe „Du bist Lüdenscheider, wenn…“ habe ich von der Rueckspultaste erfahren.
    Als jemand der in seiner Jugend sehr viel Zeit im CCL verbracht hat, habe ich natürlich sehr gespannt auf die Sendung gewartet.
    Zum einen war es eine Reise in die Vergangenheit bei der man in Erinnerungen schwelgen konnte und Dinge erfahren hat, die man noch nicht wusste.
    Zum anderen gab es auch viele neue und interessante Informationen. Die Entwicklung und das Konzept der Einkaufscentren fand ich sehr interessant.
    Ja und lustig war es auch. Fabians Analyse des Lüdenscheiders der 70er hat mich sehr zum Lachen gebracht 😉
    Vielen Dank für eine kurzweilige, interessante Sendung und auch Dank an die Leute die die Interviews gegeben haben!

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  5. Lieber Sebastian,
    vielen Dank an dich und alle Beteiligten für die langersehnte akustische Zeitreise ins CCL. Ich war sofort wieder drin und sehe nun, auch ohne Bilder, alles wieder viel deutlicher vor meinem inneren Auge. Der Sog des schwarz-orangen Lochs, ein brutalistischer Traum in Beton.
    Auch wenn die Architektur des Europacenters dem CCL lange nicht das Wasser reichen kann, das Gefühl beim Hören passt perfekt zu diesem Filmausschnitt: https://www.youtube.com/watch?v=oXjV-Yuwj3w
    Grüße aus Berlin in die alte Heimat!

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    • Noch ein Nachtrag zum Thema Zoohandlung Welke und Papagei: Welke war zwar nie im City Center, aber ich kann den Papagei, den du in Erinnerung hast, bestätigen. Denn ein Restaurant am Ende des Ganges auf der Ebene der Plattenbörse, wenn man Richtung Tierschutzladen, Reformhaus, Friseursalon Riepegerste (rechts für Erwachsene, links für Kinder mit den tollen Stühlen in Auto oder Pferdform), hatte tatsächlich einen Papagei, der immer draußen auf einer Stange saß. Wie das Restaurant hieß, weiß ich allerdings nicht mehr. Ich glaube es war ein Italiener (Pietro? Vitorino?) und der Papagei war ein schöner bunter Ara.

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      • Daniela, natürlich, danke Dir! Welke hatte ja auch einen sprechenden Papagei – und so hat meine Erinnerung aus den zwei Vögeln einfach einen gemacht. Als ich Deinen Kommentar las, reaktivierte sofort die richtige Synapse und ich sah den Eingangsbereich des Restaurants vor meinem inneren Auge. Damit hast Du ein Lebensrätsel gelöst, das mindestens ein Vierteljahrhundert alt ist. Das Bild vom Center in meinem Kopf wird immer klarer und es melden sich immer mehr Leute. Außerdem gibt es noch ein paar Interviewpartner, die ich aus Zeitgründen nicht mehr mit in die Sendung nahm. Ob wir irgendwann eine Fortsetzung machen sollen? Hm.

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  6. Ich habe mich auch gewundert , warum man nichts über das City Center findet.. Da werden Erinnerungen wach :Der Würstchen Mann, der die d. Sauerländer verkaufte, die Plattenbörse und der bis heute unschlagbar gute Imbiss von M.Lischka ? Vielleicht wäre eine Nostalgie Führung spannend ? Wo befand sich was ? War ewig nicht mehr da. Gruss aus Köln,

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    • Eine Achtziger-Führung wäre bestimmt eine spannende Sache – da müsste man noch ganz anders recherchieren. Mal schauen, immerhin war ich auch während der letzten Lichtrouten einer der Stadtführer.

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      • Sorry, aber da damals die analogen Fotoapparate noch kein Datum in die Bilder geschrieben haben weiß ich es leider nicht mehr. Ich habe meine alten Dias vor Jahren eingescannt und dann aus der Erinnerung ein Datum in den Dateinamen eingetragen, wie es bei Flickr zu sehen ist. Bei Papierbildern hat man ja teilweise einen Aufdruck der Entwicklung. aber ich hatte damals fast ausschließlich Dias. In der Regel dann für Sommerfotos den 01.Juni und für Winterfotos den 1.Dezember, da ich das Tagesdatum natürlich überhaupt nicht mehr weiß. Das Jahr war geschätzt. Aber wenn es Gründe gibt, warum es nicht stimmen kann, dann würde ich es gerne korrigieren. Ich weiß es nur nicht mehr besser …

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      • So von den Klamotten der Leute auf dem Foto her: Enge körperbetonte Shirts, weiße Jeans, Muscle Shirt, Blautöne in der Damenmode. Die Aufnahme müsste so in den sehr frühen 80ern oder sehr späten 70ern entstanden sein. Aber das ist reine Spekulation von mir.

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  7. Das Foto von Uwe Koch muss mit ziemlicher Sicherheit zwischen 1985 und 1988 entstanden sein.
    Hinweise dafür sind: Zu sehen ist ein Schild von Pietros Le Petit. Das gab es in der Sterngasse erst um 1984/85, da vorher Pietros Restaurante im ersten OG des Centers war. Zuvor hatte im kleinen Ladenlokal wo das heute noch ist die Metzgerei Geier einen Verkaufsraum.Auch der Totalausverkauf des Teppich Basars deutet auf diesen Zeitraum hin. Ebenso machen die damaligen Laternen einen noch zu guten Eindruck. Diese wurden eigentlich andauernd Opfer von Vandalismus. Ich würde daher auf 1986 als Aufnahmedatum tippen.

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  8. Hallo und danke für diese Mammutfolge und all die Mühen, die hier investiert wurden (aus Einzelelementen zusammengesetzte Podcasts sind toll!).

    Ähnlich wie bei der ersten Schulfolge dachte ich hier wieder: „Gut, eine Sendung zu einem Einkaufszentrum, das ich nie gesehen habe. Was soll mir das schon bringen?“ Und wieder habt ihr mich eines Besseren belehrt, denn ich habe angefangen, ausgehend von der auch für Nicht-Kenner des CCL wie mich spannenden Zeitreise, über die versunkene Konsumwelt meiner Kindheit und Jugend in Niedersachsen nachzudenken.

    Natürlich hatten auch wir in der Nähe ein solches Zentrum. Bei uns schimpfte es sich „Leine-Center“ und existiert heute noch, wenn auch als austauschbares Konstrukt von der Stange mit dem üblichen Betreiber. Die alte Version war verschachtelter, dunkler und ganz leicht abgeranzt, wenn auch nicht von Graffiti und Alkoholikern gesäumt; dennoch hatte auch dieses Zentrum etwas Bunker-haftes. Aber es hängen so viele tolle Erinnerungen daran: von vielen Buchkäufen und der Spielzeugabteilung, von der Aufregung, dorthin zum ersten Mal ohne elterliche Begleitung mit der Straßenbahn gefahren zu sein, vom ersten DVD-Kauf in der rückblickend sehr gut sortierten Elektronikabteilung.

    Übrigens scheint hier das gleiche Phänomen zu existieren wie beim CCL: es gibt keine Bilder. Ich habe zwar (noch) nicht so tiefgehend recherchiert, aber eine kurze Übersicht fördert nur aktuelle Aufnamen zutage. Die 90er und frühen 2000ner sind hier nicht existient, wahrscheinlich auch nicht die Zeiten davor. Es stimmt schon, warum sollte man als Privatperson ein Einkaufszentrum fotografieren, noch dazu innen? Rückblickend kann man nur wieder einmal sagen: Hätte man es mal getan.

    Wie immer: macht weiter so, es ist immer eine Wohltat für Ohren und Seele, euch zuzuhören!

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    • Na klar kennen wir das – immerhin ist CCL-Aktuell das Projekt vom Fabian, der ja auch eine knappe Stunde lang im Podcast vertreten ist. Er tut da großartige Arbeit, liefert unvergessliche Einblicke und ist, wie er mir neulich verriet, noch lange nicht am Ende seines riesigen Archivs.

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  9. Zu der Zeit als ich gerade mal 16 Jahre alt war, also 1982 /83, gab es drei wichtige Anlaufstellen im CCL. Von der Schule mit dem Bus zum Sauerfeld und dann die Zeit totschlagen im CCL, rein in den Kaufhof, genauer in die Spieleabteilung des Kaufhofs. Hier gab es schon die ersten elektronischen Spielgeräte. Aus heutiger Sicht waren diese Gerätschaften etwas primitiv. Ich habe dann Ping-Pong auf einem Röhrenfernseher gespielt oder mit einer Pistole auf eine Klötzchengrafik geschossen. Irgendwann kam ein Skat- oder Schachcomputer dazu. Der Andrang an den ausgestellten Geräten wurde grösser und der Spielende vergass die Zeit, dann kam ein ermahnender Verkäufer um das Spiel zu beenden. Warscheinlich habe ich durch diesen Impuls eine weitere Stelle im CCL für mich entdeckt. Eine starke Anziehung haben die Videospielgeräte und Flipper im Spielhallenbereich des Erdgeschosses gehabt. An Videospielen wie Donkey-Kong, Centipede, Bezerker, Tempest und Missile Command habe ich meine Reaktion und Geschicklichkeit trainiert. Mit Gleichgesinnten habe ich es bei dem Missile Command bis zur Perfektion gebracht, ich konnte mit einer Mark solange spielen wie ich wollte. Die Spielhallenaufsicht meinte, ich würde den Automaten betrügen. Dann war da noch das Hifi-Land, ein ganz feiner Laden voll mit sündhaft teuren Hifi Anlagen und Lautsprechern, die ich mir sowieso nicht leisten konnte. Heute gibt es auf Ebay zu erschwinglichen Preisen genau diese Anlagen nach 35 Jahren noch zu kaufen. Die Plattenbörse war auch ein guter Zeitvertreib. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern was ganz oben im CCL untergebracht war. Ich weiss nur, das dort ein Pornoshop existiert hat mit Videokabinen. Was war da oben noch alles?

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  10. Heute bin ich auf der Rückfahrt aus der Schweiz endlich mal dazu gekommen die Folge über den CCL zu hören. Ich muss dazusagen, das ich eigentlich nie Hörbücher höre sondern nur Musik während der Fahrt. Aber ich war sofort gefangen, fühlte mich teilweise als würde ich gerade selbst wieder durch das Center laufen. Ich bin Baujahr 72 und kann mich wirklich sehr gut an das düstere CCL erinnern, auch was es für ein Schock damals war, das es geschlossen wurde. Mit dem schließen des CCL‘s müsste nämlich damals auch leider das Image schließen, für mich noch immer die Diskothek in Lüdenscheid! Es war eine tolle Zeitreise und hat mir die Fahrt sehr versüßt, danach habe ich mir gleich noch eine Folge von euch reingezogen. Vielen Dank dafür!

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