Der Retro-Podcast. Popkultur und Persönliches von gestern, vorgestern und vorvorgestern.

097: WWF

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World Wildlife Fund. World Wrestling Federation. Westdeutsches Werbefernsehen.

Als wir Kinder waren, irritierte uns die Mehrfachbelegung des Drei-Buchstaben-Kürzels „WWF“ völlig. Höchste Zeit also, diese Verwirrung in Form einer Podcast-Folge zu vollenden und dabei diversen Retro-Artefakten Denkmäler zu setzen: Heinz Sielmann & Jürgen von der Lippe, Hulk Hogan & dem Undertaker, Duplo & Hanuta, Pandas & Robotern.

Wer wollte nicht schon immer wissen, was es mit der charismatischen Megafauna auf sich hat? Oder abtauchen in den Stickerwahn der Achtziger? Oder den Unterschied zwischen einer Clothesline und einem Figure-Four-Leglock erfahren? Vor allem aber huldigen wir dem WWF-Club, nach Feuersteins Nacht einer weiteren Produktion unseres geliebten „Dritten“, dem WDR, und damit einer Show, deren anarchische Spontaneität uns bis heute inspiriert und die Herzen wärmt.

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096: Die Gretchenfrage

  1. Ich stecke noch mitten in der Episode, die wirklich eine kongeniale Themen-Verschmelzung darstellt. Eine hervorragende Idee! Mindestens zum Thema Aufkleber kann ich später auch noch eine kleine Anekdote besteuern. Weil es mich aber im Mittelteil gerade fast vom Stuhl gehauen hat, erlaube ich mir bereits jetzt einen kurzen Einwurf:

    Das regelmäßig mit einer leichten Affektiertheit eingestreute „Was war da denn los?“ ist ein Star-Trek-Zitat? Ernsthaft? In wie vielen Episoden kommt der Ausspruch denn vor, dass er solch einen Kultstatus erlangt hat? Vor meinem inneren Auge lässt diese Floskel stattdessen zuverlässig die grinsende Visage eines Stefan Raab erscheinen, während er bei TV Total über Maschendrahtzäune oder Knallerbsensträucher herzieht. Nach etwa jedem zweiten Einspieler folgte damals diese Frage, häufig gefolgt von der Antwort: »Man weiß es nicht.« Auch in keiner Stefan-Raab-Parodie durften die sinnigen Sentenzen damals fehlen, so definierend waren sie für Sendung und Moderator.

    Klar, ich habe TV Total damals auch geschaut und die Raab’schen Sprüche wurden auf dem Schulhof nachgeahmt. Aber den Humor der Sendung habe ich genauso wie die Pubertät irgendwann hinter mir gelassen. Umso verwunderlicher erschien es mir also, dass die Rückspultaste – normalerweise für Geschmackssicherheit bekannt – irgendwann anfing, regelmäßig diese Phrase zu zitieren. Anfangs hoffte ich noch, ihr würdet vielleicht eine Sendung zum Thema planen und hättet beim Sichten des Materials den Sprachduktus „versehentlich“ verinnerlicht. Die Sendung kam aber nie – und so lernte ich, mit den Raab-Reminiszenzen zu leben.

    Tja, „selbst in Schuld“. Hätte ich mal den Schwester-Podcast gehört. Leider ist Star Trek so gar nicht meins, daher muss ich jetzt auch erstmal googeln, wer eigentlich diese Beverly ist….

    Viele Grüße und schöne Feiertage
    Jens

    • Sebastian

      Nabend Jens,

      das ist tatsächlich kein Star-Trek-Zitat, sondern ein Trek-am-Dienstag-Zitat, wenn Max Giermann als Stefan Raab als Beverly Crusher sagt: „Was war da denn los?“

      Wer hier klickt, kann’s sehen!

      Schöne Grüße,
      Sebastian

      • Spitze! Mal wieder ist die Wahrheit komplexer, als man glaubt. Wie seid ihr denn bitteschön auf diese verrückte Idee gekommen? Gibt es eine konkrete Folge Trek am Dienstag, die ich zur Aufklärung hören könnte?

        Der WWF-Club hatte seinen Höhepunkt leider vor meiner Zeit (Jahrgang 1985) und auch Wrestling ist an mir weitgehend vorbeigegangen. Einzige Erinnerung ans „Catchen“: Ein Nachbarsjunge hatte Wrestling-Sammelkarten, von denen er mir einige doppelte schenkte. Laut eBay könnten es die von „Merlin“ um 1990 herum gewesen sein. Zwar waren mir die skurrilen Figuren auf den Karten völlig unbekannt, sie lösten aufgrund ihrer Actionfigurenhaftigkeit aber eine milde Faszination aus. Also präsentierte ich die schmucken Abbilder stolz meinen Eltern, woraufhin mein Vater lapidar anmerkte, die Karten könne man „nur mit der Kneifzange anfassen“. Der Nachbarsjunge hatte sie offenbar schon gut bespielt und mir nicht gerade seine Vitrinenexemplare vermacht. Mich kümmerte das damals wenig. Heute wundere ich mich vor allem darüber, weshalb solche Nichtigkeiten wie dieser eine Satz so plastisch im Gedächtnis verbleiben.

        Im Themenblock Aufkleber finde ich mich sehr wieder. Der Panini-Sucht bin ich zum Glück nie verfallen, hatte Anfang der 90er Jahre aber selbstverständlich auch Aufkleber aus den Ferrero-Produkten. Allerdings klebte ich diese nicht in die offiziellen Hefte, sondern in frei gestaltbare Sticker-Alben. Zu meiner Grundschulzeit zwischen 1992 und 1996 war das Sticker-Album der Trend schlechthin unter jungen Schülerinnen und Schülern. Die Seiten dieser Hefte waren beschichtet, sodass man Klebebilder aller Art applizieren und wieder ablösen konnte. Mit großer Freunde nahm ich alles, was haften kleben blieb, mit Freude entgegen und legte mir in meinem Album eine bunte, unstrukturierte Sammlung an. Natürlich waren auch viele Werbeaufkleber dabei. Als besonders beliebt beim Tauschen auf dem Schulhof entpuppten sich Sticker mit einer fellartigen Oberfläche. Wo es die zu kaufen gab und ob sie eine bestimmte Bezeichnung hatten, weiß ich nicht mehr. Leider, leider, leider ist dieses Album irgendwann mal entsorgt worden.

        Neben dem obligatorischen Schrank in meinem Kinderzimmer, den ich mit Aufklebern dekorierte, ehe ich dafür das Album nutzte, sind mir vor allem zwei Flächen in Erinnerung geblieben, die ebenfalls für wilde Aufkleber-Collagen genutzt wurden: ein Garagentor in meiner Nachbarschaft und ein ganz in der Nähe geparktes Wohnmobil. Zum Einsatz kamen hier vor allem kostenlose Werbeaufkleber, die wir als Grundschüler gern begutachteten.

        Jahrzehntelang waren Aufkleber dann kein Thema mehr, erst vor einigen Jahren kaufte ich auf dem Schwelmer Trödelmarkt ein vollständiges Album mit Hanuta- und Duplo-Aufklebern der EM 1992. Herausragend hier vor allem die Überschrift über einem deutschen Mannschaftsfoto: »Sie schossen den Weg nach Schweden frei« – würde man heute auch anders machen.

        Als ein besonderes gutes Geschäft entpuppte sich ebenfalls vor einigen Jahren ein eBay-Deal, der vordergründig gar nichts mit Aufkleber zu tun hatte: Für etwa 30 Euro erstand ich einen Karton mit über 4 Kilo Micky-Maus-Extras aus der Zeit zwischen den späten 80ern bis Ende der 90er Jahre. Alle ungenutzt und möglicherweise von einem Sammler, der die Hefte früher getrennt von den Beigaben lagerte. Ich weiß es nicht. Jedenfalls hatte ich einen Heidenspaß dabei, viele der Extras, die ich von früher kannte, noch einmal zu erleben. In diesem Fundus befand sich auch ein kleines WWF-Sammelalbum, das der Micky Maus 1990 beilag. Die dazugehörigen 30 Aufkleber erhielt man in den folgenden beiden Ausgaben (Fotos gibt’s hier).

        Neben den zahllosen Extras enthielt diese Wunderkiste auch verschiedene Panini-Aufkleber, die der Micky Maus damals als Werbung beilagen. Weil ich keine Verwendung dafür hatte, stellte ich sie erneut bei eBay zum Verkauf ein. Irgendein Sammlerherz werden sie wohl höher schlagen lassen, dachte ich. Tatsächlich gingen Motive mit Batman, den Power Rangers, Asterix und Aladdin wie erwartet für Kleinstbeträge weg. Für Erstaunen sorgten indes 5(!) Aufkleber aus der Reihe „Die total kaputten Kids“ (Garbage Pail Kids), denn um diese Sticker entstand ein europaweiter Bieterkampf. Am Ende schickte ich die Klebebildchen für 250 Euro nach Finnland. Was machte die Aufkleber so wertvoll? Die Serie ist gar nicht so selten und normalerweise sind die die Preise für einzelne Exemplare moderat. Die 5 Sticker aus meiner Kiste besaßen jedoch ganz besondere Rückseiten, weil sie als kostenlose Werbebeilage verteilt und nicht regulär am Kiosk verkauft wurden.

        Nun aber genug geschwafelt.

        Danke für die schöne Folge und viele Grüße aus Köln
        Jens

        • Sebastian

          Tolle Geschichten, Jens, danke fürs Teilen!

          Den Ursprung von „Was war da denn los“ haben wir neulich selbst gesucht und die Suche dann aus Zeitgründen abgebrochen. Es muss irgendwo in der Mitte von Staffel 5 der NextGen gewesen sein, rund um unsere Folge 220 – und dann ging das ein paar Monate lang.

  2. Roger

    Hallo zusammen

    Dankeschön für diese abwechlsungsreiche Episode. Ausser der Tatsache, dass ich in der 1. – 4. Klasse eine Schultasche vom WWF mit Panda-Logo auf dem Rücken herumtrug, kann ich diesmal nicht so viel beitragen.

    Das westfälische Werbefernsehen hat uns in der Schweiz nie erreicht. Wir empfingen dafür die dritten Programme von Südwest und Bayern.

    Und Wrestling war so ungefähr das Thema, welches mich so überhaupt gar nicht interessiert hat. Entsprechend informativ war aber diese Folge für mich, da praktisch alle Infos neu waren 🙂

    Bis zum nächsten Mal

    Roger

  3. Mister Incredible

    Moin zusammen,

    Das Erwachen des Umweltbewusstseins mit dem Bericht des Club of Rome war aus heutiger Sicht sehr auf das Mantra aller klassischen Ökonomen fokussiert: „The Limits to Growth“ (Die Grenzen des Wachstums). Wen hat es damals schon gejuckt? Waldsterben? Zack – Dreiwegekatalysator und Saurer Regen war erledigt. Ozonloch? Zack -Montrealer Abkommen, FCKW im Haarspray verboten, und Problem gelöst. Grenzen, na und? Dann bleiben wir eben knapp unter den Grenzen und machen weiter wie bisher…

    Noch heute glauben viele man könne mit ganz viel Technik alles gerade biegen, ist aber nicht so. Inzwischen dämmert es vielen, dass jede Großtechnologie zur Reparatur der Schäden uns nur noch weiter in den Sumpf schiebt. 1972 sah man, wie im Podcast erwähnt, eher punktuelle Probleme, die man lokal zu lösen können glaubte. Eine Gaia-Theorie, also die Erde als ein zusammenhängendes lebendes System zu begreifen, auf welcher eine Sahara den Regenwald am Amazonas beeinflusst, war noch in weiter Ferne.

    Der WWF geriet zwischenzeitlich in Misskredit, als es darum ging, dass fragwürdige Konzernpraktiken dadurch geadelt wurden, dass deren Produkten das Panda-Siegel verliehen bekamen, natürlich gegen Gebühr, während immer noch alle beunruhigenden Messwerte, von CO2, Methankonzentration, über Artensterben bis – wie kürzlich gemeldet – Benzinverbrauch Deutschlands in die falsche Richtung zeigen und das auch noch beschleunigt.

    Wer angesichts schlechter Nachrichten verzagt, der möge doch mal dem Gründer des PIK, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, Prof. Dr. H.J. Schellnhuber zuhören, der in einer beeindruckend unaufgeregten, ja fast großväterlich-sanften Art in „Voices For Climate“ Lösungsansätze präsentiert. Ähnlich faktenorientiert zeichnet die Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann auf in ihrem „Ende des Kapitalismus“ wie eine nachhaltige Wirtschaft aussehen müsste, die Zivilisation erhält ohne Lebensgrundlagen zu gefährden. Beide sind auf Youtube mit zahlreichen Auftritten zu sehen.

    Wrestling? Begegnete mir auch beiläufig als Catchen. Auf meine Frage ob die sich nicht schlimm weh täten, meinte meine Mutter, dass das nur alles gespielt sei. Damit war es abgehakt . War nichts für mich, das fand ich ähnlich sterbenslangweilig wie Fußball oder Vierschanzentournee, quasi ein Grund zum „Umschalten“. Den Begriff „Coin Toss“ kannte ich noch nicht, obwohl mit „Kopf oder Zahl“ natürlich vertraut war. Coin Toss klingt wie Münzfernsehen für Raumschiff Enterprise. Auch wenn Wrestling null Interesse bei mir weckt(e), war es interessant zu hören, was sich da für eine ganz eigene Welt auftut, für jene die es mögen, und natürlich die Kenntnisse der „Studiogäste“ im Podcast.

    Werbefernsehen, na klar: wurde bei uns im Norden, im NDR, immer mit einem trickfilmigen Seepferdchen eingeläutet. Auch in meine Erinnerung haben sich die Sprüche eingegraben wie „Halt, mein Freund, wer wird denn gleich in die Luft gehen?“ oder „Isch abe gar keine Auto.“ oder „Nicht nur sauber sondern rein“. Das Liefer-KFZ einer Bäckereikette fand ich putzig: „Fahre ich zu langsam? Ich habe Zimtschnecken geladen“ oder „Ich bin ein Teilchenbeschleuniger“. Bäcker die den LHC des Cern kennen, me like!

    Lego gab es in meinen Kindertagen nicht. Dafür schenkte man mir Plastikant, ein seltsames System aus röhrenförmigen winkeligen Bauteilen mit gelben Stecknupsies. Stabil war das nie. Später gab es den Trix-Baukasten mit gelochten Metallschienen, die mit kleinen Schrauben zusammengepfriemelt wurden. Wenn es klemmte, durfte sogar geölt werden.

    Wieder mal ein härrlisch rundes Hörvergnügen!

  4. Axel G.

    Hallo liebe Rückspultasten-Crew,
    nach vielen Episoden als stiller Zuhörer nehme ich diese Folge nun als Anlass, euch hier auch einmal ein paar Zeilen dazulassen.
    Ihr habt eine so angenehme und unaufgeregte Art schöne Themen aus unserer aller Kindheit so detailliert aufzuarbeiten, wie man es selten in frei verfügbaren Podcasts hört.
    Gerade eure Lokalkolorit-Folgen von der Kalve oder aus dem Stern-Center erzählt ihr so plastisch, dass man meint, in den 1980ern dabei gewesen zu sein.
    Auch diese Folge weckte nun einige Erinnerungen bei mir.
    Das Kürzel WWF war mir als kleiner Steppke sowohl Naturschutzbund, als auch als Wrestling-Vereinigung bekannt. Mit einem Fernsehsender habe ich es nie bewusst in Verbindung gebracht, obwohl ich dort ebenfalls u.a. den WWF-Club schaute.
    Heute war ich in Köln, in der Nähe der Neusser Landstrasse unterwegs und habe mal kurz angehalten, um ein paar Fotos von der Kantine zu machen.
    Diese kann ich euch bei Interesse gerne über Instagram, o.ä. zukommen lassen, falls ein Interesse besteht.
    Freue mich auf weitere Folgen von und mit euch und verbleibe
    mit freundlichen Grüßen aus Leverkusen,
    Axel

  5. Sören

    Super Folge – kurzer Hinweis zum WWF Club Zwischenfall zwischen Jürgen von der Lippe und Terence Hill – von der Lippe erzählt die Geschichte so – findet sich bei Prisma:
    https://www.prisma.de/news/stars/Juergen-von-der-Lippe-im-ueberraschenden-Interview-Mein-Negativrekord-sind-drei-Leute,44633098

    prisma: 1980 kam das Fernsehen in Ihr Leben. Im Netz finden sich wunderbare Aufnahmen von früher. Etwa von Ihnen und Terence Hill, der beim „WWF Club“ seine Schlagkraft an Ihnen demonstrierte. Das sieht ungeheuer echt aus. Hat er Sie getroffen?

    Jürgen von der Lippe: Terence hat nicht nur getroffen, er hatte auch angekündigt, dass er richtig hauen würde, weil die Kamera nicht da stand, wo er sie haben wollte, um den Schlag nur andeuten zu können. Der Regisseur meinte: „Nein, das macht der schon nicht.“ Interessante Erfahrung, aber ich war als Schüler im Boxverein und Kopftreffer gewöhnt.

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