060: Kriegt der Kleine noch ne Scheibe Wurst?

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Es war einmal ein umstrittener Mann, der hieß Jeff und war steinreich. Als Jeff noch klein und arm war und keinen eigenen Laden hatte, verließen die Menschen ihre Häuser und suchten Geschäfte auf. Um Nahrungsmittel zu holen. Und Dinge, die unter das rätselhafte Rubrum „Kurzwaren“ fielen. Millionen Kinder wurden in Klamottenläden ins Langeweile-Wachkoma versetzt, nur um ein paar Meter weiter mit glänzenden Augen vor den wunderbarsten Spielwaren zu erstarren. Und doch gab es damals längst nicht alles zu kaufen, weil besagter Jeff noch zu klein und zu arm war.

Aus dieser Zeit erzählen euch heute Sebastian, Jan und Simon Geschichten am laufenden Kassenband. (Und raunen sich dabei immer wieder ein geheimes Zauberwort zu: „Globus.“)

Dies ist der zweite Teil unserer Konsum-Rückschau. Der erste Teil umfaßte die Historie eines untergegangenen Einkaufszentrums in der Lüdenscheider Provinz, unsere Folge Nummer 17: Jäger des verlorenen Centers.

10 Gedanken zu “060: Kriegt der Kleine noch ne Scheibe Wurst?

  1. Guten Morgen Rückspultasten-Team,

    ich habe die Folge noch nicht gehört, aber freue mich sehr darauf. Mein Gefühl sagt mir, dass es wieder ein Meisterwerk sein wird. Mit manchen Themen kann ich nicht so viel anfangen, aber Ihr macht megatolle Sachen, wie z.B. die Jahresrückblicke oder Der Ernst des Lebens. Die Ernst-Folge ist für mich neben dem City Center und der Commerzbank der Gipfel Eures Schaffens. Ganz große Podcast-Kunst.

    Macht weiter so und Alles Gute

    Wolfgang

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  2. Hallo die Herren,
    Also die erste Hälfte (bisher gehört) ist wie immer sehr amüsant und lädt zum Erinnern ein.
    Mein Senf: bei uns in der Rathmecke/ am Dickenberg gab es in den 80ern noch das volle Programm: Bäcker, Fleischer, Gemüsehändler, Tante Emma und Schlecker.
    Und noch den besonderen Service der Wagenläden, denn an verschiedenen Tagen kamen der Kartoffelmann, der Eiermann, die Bäckerei und sogar der Supermarkt mit kleinen Lastwagen durch die Straßen und hielten alle hundert Meter an zum Verkauf. Dazu machten sie mit verschiedenen akustischen Signalen auf sich aufmerksam, vom Krähen bis zu Big Ben.
    Das war nicht nur für den Einkauf praktisch, sondern bot der versammelten Nachbarschaft auch die perfekte Gelegenheit zum Austausch.
    Und ne Scheibe Wurst oder so gabs für uns Kinder auch.

    Vielen Dank für die Nostalgie!
    LG Kiki

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  3. Super, ich kann mich an die Pfandrückgabe gar nicht mehr errinern. Bei uns im Dorf gab es auch nen Metzger und nen Tante Emma Laden. Das einzige, was sich gehalten hat, ist der Aldi, der dann irgendwann kam. Und zum Thema City Center/Globus: der Stapelcenter in Altena könnte ähnliche Geschichten erzählen. Der hatte fast so viele Inhaber Wechsel wie andere Leute Unterhosen. Im Zeitungsarchiv kann man da aber nicht mehr schauen, beide Lokalzeitungen gibt es schon lange nicht mehr.

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  4. Sehr unterhaltsame Folge, vielen Dank! Der interessanteste Punkt kam meiner Ansicht nach allerdings von Simon. Der Simon, der in der vorletzten Episode nicht müde wurde zu predigen, wie unwahrscheinlich bis unmöglich ein Zusammenhang zwischen Filmen (egal wie derb, bishin zu Splatter) und dem Handeln von Kindern und Jugendlichen sei? Hat dieser Simon tatsächlich erzählt, dass er sich nach dem mittelmäßig „mitnehmenden“ deutschen Thriller „Abwärts“ mit Götz George jahrelang nicht mehr in Aufzüge getraut hat? Geht beides irgendwie nicht ganz zusammen, oder liege ich da falsch🤔

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    • Moin Olli,
      danke für Deinen Kommentar und schön, dass Dich die Folge unterhalten hat.

      Drei Anmerkungen dazu:

      1) Ich empfehle Dir, die vorletzte Folge „Jenseits des Rauschens“ nochmal genau zu hören, vielleicht etwas weniger selektiv und vereinfacht. Dann wirst Du feststellen, dass das doch eine Spur vielschichtiger ist, was wir zu dem Thema zu sagen haben. Stichwort: Wahrheit und Wirklichkeit. Vielleicht trotzdem mal ein Zitat von mir, Zeitstempel 1:31:23: „Natürlich sollte ein 6-Jähriger nicht ‚Cannibal Holocaust‘ sehen. Darüber müssen wir uns glaube ich nicht streiten, [denn] kann ein so junger Mensch das gar nicht verarbeiten, was er da sieht. Und einordnen, das ist ja das Wichtige [dabei], die Einordnung.“

      2) Zu „Abwärts“: Ich war vielleicht 7 oder 8 Jahre alt. Ich bin danach eine Zeitlang nicht gerne Aufzug gefahren, weil ich an den Film denken musste, der in meiner 8-jährigen Welt alles andere als ein „mittelmäßiger Thriller“ war. Es ist aber zum einen nicht so, als hätte ich danach andere Menschen in einen dunklen Aufzugschacht gestoßen. Zum anderen war diese Phase kurz darauf wieder vorbei. Heute fahre ich jeden Morgen mit der Erleichterung Aufzug, keine fünf Stockwerke gehen zu müssen.

      3) Ich hoffe doch sehr, dass das diese kleine Anekdote aus meiner Kindheit nicht wirklich der interessanteste Punkt war, den Du aus vorliegender Episode gezogen hast. 😉

      Viele Grüße
      Simon

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  5. Tach Ihr Rückspuler,
    nach 3 Tagen Dauerhören habe ich noch 5 kleine Ergänzungen.

    1) Wo haben die Leute früher ihre Haushaltsgeräte gekauft? Elektro Mickenhagen in der Werdohler Str. war ein Anlaufpunkt für die komplette weiße Ware – wenn man die entsprechend dicke Geldbörse hatte.
    2) Der Schuhladen in der Kaufhalle hieß meines Wissens nach BATA.
    3) Mit Beziehungen zur belgischen Garnison konnte man sehr günstig in deren Kaufhaus „CMC“ in der Bräuckenstrasse wo heute die Einkaufsmeile mit REWE, usw. ist einkaufen.
    4) In der Worthstrasse gegenüber dem Kiosk gab es früher noch den kleineren Supermarkt AKZENTA. Da musste man ein paar Stufen runter ins Gebäude, um in den Laden zu kommen.
    5) Bernd Bartkowiak hatte, soweit ich weiß, noch einen zweiten Spielzeugladen in Plettenberg, den er nach Schließung des Lüdenscheider Ladens noch weiter geführt hatte. Und zur Weihnachtszeit 2013 hatte er vor einigen Jahren sein altes Spieleparadies noch mal genutzt, um dort besondere Spielwaren zu verkaufen (https://www.come-on.de/luedenscheid/schnelle-geschaeft-spielzeug-3244792.html).

    Gruß aus Othlinghausen

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  6. Hallo Ihr drei. Vielen Dank für die wunderbare Folge, welche mal wieder die eigene verstaubte Erinnerungskiste vom zerebralen Dachboden geholt hat. Der Einkaufssamstag bei uns hatte ähnliche Highlights. Habt ihr schon mal über eine Rückspultaste-Stadtführung durch Lüdenscheid in irgendeiner Form nachgedacht? Ich würde mich drüber freuen. Außerordentlich gute Grüße von den Podcastnachbarn.

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  7. Nachdem ich treuer anonymer Hörer aller Folgen ohne eigene Einbringung hier in der Kommentarfunktion war, breche ich heute mal mein Schweigen und teile meine Einkaufserfahrungen. Was Lebensmittel angeht muss ich direkt sagen: Ich habe keine Erfahrungen. Meine Eltern hatten einen eigenen kleinen Milch- und Lebensmittelladen, der als „fahrendes Geschäft“ fungierte. D.h. alle Waren waren in einem umgebauten Mercedes D 407 (inkl. aufladbares Kühlregal) untergebracht und fuhr durch halb Lüdenscheid zu den Kunden. Das Auto hatte vorn Schiebetüren und an der Seite eine Aufstellklappe, an der die Kunden stehen konnten. Morgens wurden vor allem viele der kleinen Lüdenscheider Firmen angefahren, um sowohl vorbestellte Milch (Kakao, Buttermilch etc.) abzugeben und zum anderen, die Mitarbeitenden mit belegten Brötchen und anderen Sachen für ihre Pause auszustatten. Im Laufe des Tages und vor allem am Nachmittag fuhren meine Eltern dann durch Wohngebiete und konnten da Kundinnen und Kunden begrüßen. Bis 1973 bzw. dem Tod meines Opas, der das Geschäft schon von seinem Vater übernommen hatte, gab es auch einen keinen Laden in der Kölner Str. gegenüber der Augustastraße. Davor einen in der Börsenstraße, der dem Bau des Knödler-Zentrums (?) weichen musste. Zu dem Laden in der Kölner Str. gibt es die Episode, dass eines Tages eine Dampfwalze sich in der recht steilen Augustastraße verselbständigte und in unseren Laden rollte. Zum Glück wurde niemand verletzt. Ab und an (in Ferien zum Beispiel) bin ich mitgefahren und habe geholfen. Hat meiner Kopfrechnenfähigkeit gut getan. Ich kannte natürlich nicht alle „Codes“: ein Kunde an einer Firma bestellt bei mir ein „Weizenbrötchen in Papiertüte“. Als ich ihm genau das geben wollte beschwerte er sich und mein Vater ging zum Alkoholregal im Wagen, holte einen Weizenkorn-Glasflachmann und steckte den eben in die Papierbrötchentüte… Die oben erwähnten belegten Brötchen habe ich zusammen mit meinen Eltern und meiner Oma morgens immer geschmiert. Heute würden wohl die Hygienevorschriften so einer Sache im Weg stehen, aber „damals“ stand ich morgens pünktlich um 6.00 vor der Schule auf, um mitzuhelfen. Es gab sogar eine Zeit, in der ich Dank meines guten Schlafes nur mit dem Weckruf „Brötchen“ aus den Träumen gerissen werden konnte. Neben Mett, Käse und Wurst gab es auch Fleischsalatbrötchen. Eines morgens standen wir in der Küche, um alles zu schmieren – das waren jeden Tag ca. 70 Brötchen, also 140 Hälften – als plötzlich der Strom weg war. Ich wollte in den Keller, um nach der Sicherung zu schauen, als ich bemerkte, das im Bad noch ein wenig Licht flackerte. Die Waschmaschine stand in Flammen. In so einer Situation wird ja zumeist das einfache kognitive Denken ausgeschaltet und statt den Wasserhahn oder die Brause zum Löschen in die Hand zu nehmen, rannte ich zurück in die dunkle Küche, griff den ersten Eimer, den ich finden konnte und löschte mit dem Inhalt das Feuer. Hat gut geklappt – aber 1. roch danach das Bad nicht mehr nur nach verbrannten Kabeln und Plastik und 2. gab es an diesem Tag keine Brötchen mit Fleischsalat… Wegen des Ladens, der eigentlich alle wichtigen Lebensmittel und auch anderes vorhielt, kannte ich Supermärkte nur aus dem Urlaub. Auch den Globus habe ich erst spät mal von Innen gesehen. Den Handelshof dagegen kannte ich gut (heute glaube ich ein Rewe bei Mäckes – Richtung A 45 Nord). Dort holten wir als Weiterverkäufer Sachen, die uns nicht geliefert wurden – eben ohne Mehrwertsteuer. Ich musste für meine Süßigkeiten nur eine Treppe runter in unser Lager. Und für meine Cola in die Garage. Dazu auch noch eine Kleinigkeit: Es gab ja so von 1982 bis ca. 1985 diese Knibbelbilder von Coca Cola: da war ich natürlich eifriger Sammler. Ich konnte eigene Flaschen von den so dermaßen nach Weichmacher riechenden Plastikgnubbeln erleichtern und auch in den zurückgegebenen Pfandflaschen noch welche finden. Als mir aber zu einer Serie noch einige fehlten, war mir das nicht genug: Kurzerhand ging ich daran, auch die Bilder aus den geschlossenen Flaschen zu sammeln. Meine Eltern sind mir auf die Schliche gekommen, weil sich da wohl vermehrt Kunden beschwerten, dass ihre Flasche keine Kohlensäure mehr enthielt und auch nicht richtig schloss. Noch ein Letztes: Unser Wagen war mit Aufklebern des Milchanbieters „Tuffi“ beklebt. Da die morgendliche Route meiner Eltern pünktlich zum Schulbeginn auch am Staberg vorbeiging, haben sie mich mitgenommen. Ich sprang dann beim Zebrastreifen auf der Hochstraße immer aus dem Wagen, so dass ich für einige Zeit nur „Tuffi-Boy“ gerufen wurde… Durch diese ganzen Prägungen meiner Kindheit und Jugendzeit, habe ich heute immer noch ein – sagen wir mal – eigenes Einkaufsverhalten, was Lebensmittel und Supermarktbesuche angeht. Meine Frau meint lapidar dazu, dass sie ja „einkauft“, ich aber „shoppen“ gehe.
    So – für mein „erstes Mal“ war das vielleicht schon ein zu langer Kommentar…
    Herzlichen Dank für diese Aufbereitung meiner ganz eigenen Vergangenheit und ich freue mich mindestens auf die nächsten 60 Folgen…

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  8. Also ich bestelle meistens irgendwelche Spezialbiere im Internet. Bin da ziemlicher Nerd.
    Für Lebensmittel gehe ich immer noch in die stadt. Die ist hier im südlichen Baden Württemberg aber auch gut sortiert.
    @ Simon: Ich finde Car Sharing eignet sich auch hervorragend für Urlaubsreisen. Da zahlt man zwar ne Stange Geld, aber dafür muss man sich auch um nix kümmern, ausser die Karre zu buchen und ordentlich wieder ab zu geben.
    Hab seit 12 Jahren auch kein Auto mehr und vermisse nix.

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