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Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zeigt seit über dreißig Jahren die Zeitgeschichte unseres Landes von der Stunde Null – dem Ende des Zweiten Weltkriegs – bis zum Jetzt.
Neuerdings heißt es dort: Du bist Teil der Geschichte, denn nach fünfzehn Monaten völliger Umgestaltung öffnete das HdG, so heißt es kurz, Ende 2025 unter diesem neuem Titel. Die Dauerausstellung wurde buchstäblich auf den Kopf gestellt und die meisten Exponate frisch durchgewechselt, doch immer noch führt sie Besucherinnen und Besucher von Hitlers Tod bis zu Putins Überfall auf die Ukraine. Vorbei an Luftbrücke, Staatsgründung, Wirtschaftswunder, Mauerbau, Mondlandung, Deutschem Herbst und Wiedervereinigung, begleitet von Rosinenbomber, Plattenladen, Monchhichi, Trabi, Schabowski-Zettel, Joschka-Jacke und Klapphandy.
Für Sebastian war das oft besuchte Museum ein entscheidender Faktor darin, ihn zu einem History Nerd in Sachen 20. Jahrhundert zu machen. Das HdG weckte in ihm das, was der Geschichtsunterricht an der Schule nicht schaffte. Die neue Dauerausstellung kennt aber selbst er noch nicht und für Erstbesucher Simon ist es ohnehin neu – also laßt euch einladen auf eine museale Zeitreise per erforschendem Rundgang, der in alle Winkel, aber auch in die Sammlung des Hauses führt.
Der Dank der Rückspultaste gilt dem großartigen Team des HdG: Pressesprecherin Katja Schuler, Ellen Lehmann und Frau Dyck aus der Online-Redaktion, Herrn Schmitz für seine Führung unserer Hörerinnen und Hörer, Sammlungsdirektor Dr. Manfred Wichmann und Stiftungspräsident/Direktor Prof. Dr. Harald Biermann.

Alexandra
Oh Mann, das Haus der Geschichte ist immer ein Besuch wert, wenn man in Bonn ist.
Trotzdem haben wir, gefühlt, immer noch nicht richtig aus der Geschichte gelernt.
Christian Berger
Bin erst bei 1:30, aber so weit wieder eure wunderbare hervorragende Qualität.
Ich wollte euch aber auf etwas hinweisen, was ihr vielleicht in der möglichen Sendung über Heimatfilme verwenden könntet. Es gibt Heimat-SciFi-Filme. Mal abgesehen von irgendwelchen Softpornos gibt es „Xaver und sein außerirdischer Freund“, was jetzt nicht alle Elemente enthält… vermutlich auch weil man in den 1980ern doch etwas Eigenes machen wollte, aber auch der Österreichische Klassiker „1. April 2000“, welcher die Elemente Heimatfilm, Science-Fiction und Propaganda miteinander kombiniert.
Mister Incredible
Hach, was für eine tolle Zeitreise. Es war so inspirierend und hat mir viel Appetit gemacht bald wieder einmal zum HdG zu kommen, denn mein letztes (und erstes Mal) liegt schon lange zurück. Vielleicht 2010 oder so. Wie man liest sind an Werktagen viele Schulklassen dort. Ebenso wie viele Holocaust-Gedenkstätten sollte natürlich auch das HdG zum Pflichtprogramm jedes Schülers gehören, durchaus auch mehrfach, denn mit 16 Jahren wird sicher anders auf gerade die politischen Inhalte geschaut als mit 12.
Als Jahrgang 1961 wuchs ich natürlich auf inmitten der Täter des Nationalsozialismus, der Opfer und vieler Kriegsversehrter. Auch mein Grundschullehrer hatte, was man beim Schwimmunterricht sehen konnte, schwere Kriegsverletzungen davon getragen. Was war das für ein Universaltalent! Lesen, Schreiben, Rechnen und auch Schwimmen hat er uns gelehrt! So wie ich ihn in Erinnerung habe kann ich mir nicht vorstellen dass der dem Ideal der Nazis nahe gestanden hatte. Aber es war für mich damals latent spürbar, dass vor gar nicht langer Zeit etwas „Schlimmes“ geschehen war, und dieses hatte keine konkrete Ausprägung, war nebulös für mich als Steppke, natürlich. Die Erwachsenen haben immer wieder betont dass man „keine Hakenkreuze malen“ dürfe, und was taten wir natürlich? Was verboten war. Eine Nachbarin reagierte sehr angefasst darauf als sie das sah, und ich kapierte natürlich nichts. Erinnern kann ich mich noch daran, dass ich meine Mutter einmal nach dem A-4-Jahreskalender fragte der auf der Innenseite unserer Vorratsschranktür klebte, was denn da stünde. Sie sagte: „Da steht neunzehnhundertsiebenundsechzig, das ist jetzt dieses Jahr.“ Und das war auch mein Einschulungsjahr, schwarzweiße Fotos mit Zuckertüte dokumentieren es.
Brandt war auch mein Kanzler, und im Rückblick ist Gustav Heinemann mein Bundespräsident. Seine Antwort, ob er Deutschland liebe hatte gelautet „Ich liebe meine Frau“. Diese Bundesrepublik in der ich aufwuchs vermittelte mir so etwas wie Sicherheit, auch gegenüber den Institutionen und gerade wegen der Institutionen. Polizei, Schule, Gericht – darin sah ich nie eine Bedrohung, sondern etwas Fürsorgliches. Es war angenehm, eine Art der Geborgenheit, auch wenn ich kaum ahnte wie wenig davon es an anderen Orten gab.
Früh lernte ich dann aber auch das andere Deutschland kennen, denn meine Mutter hatte 1956 „nübergemacht“ aus Thüringen nach Norddeutschland, wo sie dann meinen Vater heiratete und ihre DDR-Emanzipation der Frau gegen das bundesdeutsche Spießbürgermiefideal der 1950er eintauschen musste, aber eben ohne Diktatur. Reisen zu unseren Verwandten in die DDR in den 1970ern und 1980ern waren Abenteuer und unterstrichen den Wert der Freiheit die wir genießen durften! Meine Verwandten sprachen offen über die hiesigen Verhältnisse nur im Wald und schon damals raunten sie uns zu dass es bei Ihnen „jede Menge Nazis“ gäbe. Wir mochten es kaum glauben. Als ich nach West-Berlin reiste lernte ich eine gemütliche Stadt kennen die einen ganz eigenen speziellen Atem hatte wie keine andere westdeutsche Stadt, ein Kuriosum, eine trotzige Entschlossenheit auch den ständigen Erschwernissen der DDR (Transitstrecken, Ausspionierung, Tempolimitabzocke…) Stand zu halten. Es war eine fast museale Erfahrung. Als ich eigenes Geld verdiente schickte ich auch dann und wann „West-Pakete“ zu meinen Verwandten, die sich jeweils mit überschwänglichen Briefen und minutiöser Schilderung ihres Auspackvergnügens mit Würdigung jedes einzelnen Artikels bedankten. Natürlich war immer das drin was das Westdeutsche Werbefernsehen in die Köpfe des Osterns hämmerte als Inbegriff des Luxus. West-Berlin und dessen Lebensgefühl werden sehr gut im Musical „Linie 1“ transportiert, das heute noch aufgeführt wird in angepasster Form, aber die DVD bringt es im Original gut rüber.
Den Mauerfall erlebte ich in Hannover, am Abend war ich unterwegs, kam spät nach Haus, hatte das TV noch mal eingeschaltet für späte Nachrichten, und da tanzten sie auf der Mauer herum! Kurz darauf hieß es vom Arbeitgeber, einem bekannten Warenhauskonzern mit K, ob ich für eine erste Führungsposition mich in Berlin vorstellen wolle. Was für eine Frage. Ab 1.1.1990 war ich da, mittendrin, im Berliner Einzelhandel, sogar in Chalottenburg, was quasi von kaufwütiger neuer Kundschaft überrannt wurde. Was für eine Zeit. Mit Freunden feierten wir in den 3.10.1990 hinein in meiner damaligen Dachgeschosswohnung. Auch die Reichstagsverhüllung erlebte ich dort. Aber, im Rückblick, muss ich sagen – ich wünschte ich hätte es noch bewusster erlebt und mehr „ausgekostet“, denn irgendwie ist es so schnell an mir vorbei gerauscht. Geht es anderen auch so? Vielleicht ist es auch ganz normal, dass wir die Bedeutung der Gegenwart erst dann erkennen wenn sie längst vergangen ist.
Fernseher, Fideejo-Räggordor, und all das Elektronikzeugs waren damals sehr gefragt. Ihr hattet es erwähnt, die Phonomöbel, Musiktruhen. Tatsächlich nannte man Unterhaltungselektronik in den Anfangsjahren „Braune Ware“ weil sie als „Möbel“ eben und mit Holzgehäusen den Möbelabteilungen zugeordnet waren.
Euer Rundgang durch das HdG weckte auch Wehmut und Melancholie in mir angesichts (angehörts) der vergangenen Technik-Epochen, mit denen jeder von uns frühe Lebensphasen verbindet. Das können auch das Deutsche Technikmuseum in Berlin, jenes in Speyer, das Technische Museum in Wien etc. vermitteln. Vielleicht ist diese Nostalgie auch der Grund warum kaum jemand von uns die berühmte Schublade mit den alten Handys leert uns sie dem Wertstoffkreislauf zuführen möchte – da stecken Erinnerungen drin! Habt Ihr nicht auch einiges an Erinnerungsstücken aus frühen Tagen, die Ihr nicht missen wollt? Ein Handtuchset das ich von meinem Ausbildungsbetrieb in den 1980ern geschenkt bekam. Mein erster Edelstahlkochtopf, wie neu! Sogar zwei Keramikteller, von Mutti als Erstausstattung geschenkt 1983, haben noch überlebt. Alberne Gummistempel von „Rubberstampede“ aus Kalifornien, 1982 in San Francisco gekauft mit „does not compute“ und Ähnlichem. Was man so kaufte im Rausch der Urlaubseuphorie.
Ich befürchte dass der Bezug zur historischen Verbindung für viele Jüngre aufgrund medialer Überflutung verloren geht. Da man aber nur sein Jetzt im Wie und Warum begreifen kann wenn man den Ursprung kennt, ist ein Mindestmaß geschichtlichen Bewusstseins essenziell, und da müssen es keine Minnesänger aus dem 13. Jahrhundert sein, das HdG kann schon ein solides Fundament legen. Danke dass Ihr diesen bedeutenden Ort in einer akustischen Zeitreise gewürdigt habt! Ich muss unbedingt bald wieder hin.
Vielleicht hatte ich es überhört, aber ich glaube dass Ihr es nicht erwähntet: der Initiator des „Haus der Gechichte“ war Bundeskanzler Helmut Kohl. Ist es nicht derselbe Kohl der Simon zu seinem „Bonnn“ inspiriert? Ich hatte nie gedacht dass ich Kohl mal loben müsste, aber diese Idee war schon ein toller Geistesblitz! Also „Danke, Birne!“
stef baura s
was für ein schöner Kommentar, danke!
stef baura s
Lieber Sebastian,
was für eine tolle Rückspultaste. Ich bin derart begeistert mit Euch virtuell durch das Haus der Geschichte gestapft und war bei jedem Kapitel neu begeistert.
So begeistert, dass ich schon einen 2-Tages-Auflug nach Bonn geplant habe, um sowohl die Stadt kennenzulernen, wie auch einen ausgiebigen Museumsbesuch zu machen.
Bonn ist nur knapp 2 Fahrstunden von uns entfernt, eine Schande, dass ich da noch nicht war.
Stef
Birgit
Eine wirklich tolle Folge!
Jetzt muss ich wohl auch mal nach Bonn… für mich war vor allem der Blick hinter die Kulissen spannend. Wie die Exponate je nach Material aufbereitet und aufbewahrt wird.
Und natürlich konnte man sehr oft mit den geschichtlichen Episoden connecten. Z.B. mit Olympia. Das ist hier in München ja immernoch an sehr vielen Ecken erlebbar.
Danke, dass ihr solche tollen Institutionen sichtbar/hörbar macht!