025: Von Wählscheibe bis www

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Diese Folge herunterzuladen könnte länger dauern, falls ihr die vorsintflutliche Technologie benutzt, um die es diesmal geht. In unserer Kindheit nannten sich Telefone FeTAp (oder sahen aus wie Micky Maus) und waren außer zum Telefonieren für nichts zu gebrauchen. Nur überaus wichtige Geschäftsleute benutzten Mobiltelefone und Ommas neuer Fernseher mit Videotext faszinierte uns. Während das heutige Informationszeitalter zunächst wie pure Science Fiction schien, unternahmen wir bald erste Fahrversuche auf der digitalen Autobahn.

Christian, Jan und Sebastian nehmen im Impulswahlverfahren mit euch Kontakt auf und plauschen so ausgiebig über Telekommunikation und Fernmeldewesen, daß sie mindestens zwanzig Mal die Acht-Minuten-Sanduhr umdrehen müssen.

12 Gedanken zu “025: Von Wählscheibe bis www

  1. Ich halte das Telefon inzwischen meist auch intuitiv nicht mehr an den Kopf, sondern vor mich (allerdings mit Kopfhörern). Ist doch die normale Smartphone-Haltung und auch viel praktischer, wenn man z.B. zwischendurch etwas auf dem Ding nachschauen will oder in Service-Hotlines Tasten eingeben muss. Und dann gibt es auch noch Menschen, die sich Sorgen um die Strahlung dieser Dinger machen und es sich deswegen nicht lange nah an den Kopf halten möchten.

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  2. Hallo Jan,
    das war wieder ein schöner Podcast.
    Meine Erinnerungen dazu:
    Wir hatten zuhause das graue Wahlscheibentelefon, das bekamen wir, als unser Haus fertig gebaut war, 1972. Es stand – natürlich – im sehr kalten Flur, auf einem Heizungs-„Fensterbrett“. Am Telefon meldete man sich als Kind selbstverständlich mit Vor- und Nachnamen, und natürlich wurde nach 20 Uhr nicht mehr telefoniert. Wir hatten kein „Zubehör“. Diese Register hab ich bei anderen auch gesehen und fand die todschick, und ich hätte so gerne ein automatisches Kabelaufwickeldingens gehabt. Das Kabel vom Telefon wurde bei uns profan um den Heizungsthermostat gewickelt .
    Andere Geräte:
    Ich habe 1982 mit der Lehre zum Speditionskaufmann begonnen. Dort entwickelte ich mich zum sehr flinken 10-Finger-Schreiber, denn die vielen Avise der Sammelgut-LKW, die man nach Verladung in den Telex hacken musste an die Empfangsspedition, hätten sonst ewig gedauert. Wir hatten 2 Geräte, einen sogenannten Vorschreiber, der war nicht ans Netz angeschlossen, da tippte man nur den gelben Lochstreifen, und am anderen Gerät ließ man den streifen dann durchrattern. Wer wirklich gut schrieb, konnte auch direkt in den telex reinschreiben, man konnte halt keine Tippfehler verbessern, so wie beim Lochstreifen. Den Lochstreifen konnte man zurückschieben und dann quasi aus-Nullen. Wenn man anfing zu schreiben, hat man auch erst immer ein paar „Nullen“ fabriziert, die braucht man, um den Lochstreifen zu befestigen. Das Vorschreibgerät hatte eine gespaltete Leertaste, rechts für Buchstaben, und wenn man Zahlen schreiben wollte, musste man die linke Leertaste tippen, und für zurück zu buchstaben erneut die rechte.
    Der Telex war auch als Chat zu benutzen, man konnte damit klingeln, und an der anderen Seite konnte dann derjenige, der es hörte, antworten.
    Ca. 1986 bekamen wir den ersten Fax, der war anfangs nur für wichtige dokumente reserviert.
    Service-Nummern:
    Ich hatte viel mit der Binnenschifffahrt zu tun, und um aktuelle Pegelstände zu bekommen, gab es auch eine Nummer hierfür, das war ein Endlosband! Die für uns relevanten Stände waren die für den Oberrhein, bzw. bei Niedrigwasser nur der von Kaub. Ihr habt keine Ahnung, wie lange das Band war, weil es ziemlich viele Pegelstände gibt, und man musste warten, bis der richtige kam, und den dann mitschreiben.
    Handy:
    1991 hatten wir eine Mieterin, die war Tierärztin, und besaß für den Notdienst ein kofferähnliches Mobiltelefon. Das könnte noch C-Netz gewesen sein.
    Mein erstes ca. 1999, ich glaube, ein Motorola, wir haben Pferde, das Ding hat sich schnell als praktisch erwiesen. Erstes smartphone ca. 2011, HTC.

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  3. Hallo Jungs,ich,Jahrgang ’81 in der DDR hatte als Kind keinen Festnetzanschluss. Dafür aber unser Nachbar,ein Kriegsversehrter mit nur einem Arm. Auf seinem Apparat erfuhr mein Vater auch von meiner Geburt. Ich hatte in unserem Haus ein Kinderzimmer unterm Dach auf dem Speicher. Dort hatte ich einen eigenen Anschluss,das Gegenstück stand bei meinen Eltern im Wohnzimmer. Also ein Haustelefon, das zum Wecken und ähnlichen pädagogischen Maßnahmen mittelbar benutzt wurde. Nach der Wende hatten wir gleich einen eigenen Festnetzanschluss und da mein Vater ziemlich technikaffin war und ist hatte ich auch ziemlich schnell ein Handy; und zwar das Nokia NHK irgendwas,welches in dem eplus Starterset damals drin war. Dolles Ding und so neckisch türkis!!! Ach,und eins noch:@ Christian: ich besitze und benutze meine Bauchtasche regelmäßig auf diversen Backpackerurlauben und glaube nicht,dass ich besonders peinlich oder doof damit aussehe. Nix für Ungut. Wie immer,tolle Folge!!
    @CoriFloh

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  4. Hi Jungs,

    das war wieder eine echt schöne Folge. Vor allem als zum Schluss ein ehemaliger Schulleiter mit Informatikbezug erwähnt wurde. Ich bin Jahrgang Abi ’91 auf der selben Schule gewesen und habe eben diese Person noch live erlebt und auch Pascal in Informatik machen dürfen. Nach einem halben Jahr habe ich damit jedoch aufgehört. Ansonsten ist meine Geschichte der Telekommunikation ähnlich Eurer. Ein Thema, das Anfang der 90er durchaus relevant war, waren die Anrufbeantworter. Wer einen hatte, war der King. Ich hatte dann sogar die Möglichkeit der Fernabfrage, was nochmal ein Extra-Feature gewesen ist.

    Hier ist noch ein Spruch meines Vaters, wenn ich mal wieder zu lange (seiner Meinung nach) das Familientelefon blockierte: „Das Telefon dient zur kurzen Übermittlung mündlicher Nachrichten!“

    Macht weiter so. Eure Sendungen sind mir ans Herz gewachsen.

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  5. Ja, so war das. Auch bei uns gab es früher das graue Wählscheibentelephon mit Mietzahlung an die Post. Wir hatten sogar zwei an der einen Leitung und konnten mithören oder zu zweit in einem Gespräch teilnehmen – mein Vater ist ein erfindungsreicher Tüftler. Hat also die Situation geschaffen, wie ihr meintet, sie wäre nicht möglich. Ich hörte zu gerne von dem zweiten Telephon mit, meine Mum unterband das nur leider meistens. Das Hörer abnehmen und vielleicht auch das Atmen war einfach zu hören. Egal wie ich es versuchte zu optimieren. Ich bekam eingetrichtert, sollte mal jemand von der Post klingeln, dass wir nur EINEN Apparat haben. Es klingelte nie jemand. Und mal ehrlich, wir hatten ja auch nur eine Leitung, der zweite Apparat war einfach den Großeltern über. Sollte dadurch die Post einen Schaden bekommen haben, was ich nicht glaube, hat es sich die Telekom eh zahlen lassen – dazu später.

    Glaube es war 2001, als ich online ging, mit der gleichen Analogleitung wie gehabt. War ich mit dem Modem (das Geräusch habt ihr gut nachgemacht) online, es wurde minütlich abgerechnet und die Leitung war besetzt. Ich verbrachte die erste Zeit damit, Seiten zu laden und dann offline zu lesen, etwas dazu in Word zu schreiben und dann wieder online, zu posten oder zu mailen.
    In der Schule waren wir einmal online und bekamen die Alta Vista-Suchen erklärt. Als ich dann zuhause online ging, nannte sich meine erste „aus Spaß“ Yahoo-Suche „Star Trek“. Ich war erschlagen von den Ergebnissen und beschloss oben anzufangen. Ich habe nie auch nur das zweite Suchergebnis angeklickt. Die erste Seite wurde für Jahre meine Onlineheimat und bald zahlte ich die entsprechende Position auf der Telphonrechnung selbst…

    Als ISDN und eine Flatrate meiner Meinung nach nicht mehr umgänglich war und ich meine Eltern beruhigte, dass sie die Nummer behalten können, beschäftigte ich mich erstmals genauer mit der Telphonrechnung. Wir zahlten auch noch ordentlich in den Nullerjahren MIETE für eine KLINGEL und einen bordeauxroten Tastenapparat, was beides seit vielen Jahren nicht mehr genutzt wurde. Und die Krönung, die Telekom weigerte sich die Postionen von der Rechnung zu nehmen. Das wären vorhandene Leistungen. Als ich anbot, sowohl den noch auf dem Dachboden vorhandnen Apparat und wenn sie darauf bestehen würden, irgendeine Klingel zu schicken, damit sie es löschen, schwang es um. Interessanterweise funktioniert das… Probleme? Mit einer nicht zuzuordnenden Überweisung oder einem Paket mit unbrauchbarem drohen. Wir leben in interessanten Zeiten.

    Kurz zum Telegramm, was ich nie erlebte… meine Oma war regelrecht von die Idee ein Telegramm zu bekommen traumatisiert. Für sie hieß es in Prä-Telephonzeiten, dass jemand gestorben war.

    Haustelefone hatten wir auch, vor allem zu meinen mehrere Häuser weiter wohnenden Großeltern. Mein Paps hat das mit der Reichweite irgendwie gedeichselte.
    Mein Opa war ein toller Typ, wir waren ein Dreamteam. Zusammen machten wir auch Telephonstreiche. Ich wählte nach Wunsch und er sagte stop – heute ist klar, es sollte ein Ortsgespräch bleiben. Vor der Rufnummernerkennung ein großer Spaß zu schauen ob man jemanden erreicht und wie er/sie sich meldet. – Ich war noch sehr klein und mein Opa schon recht alt, man sehe uns das nach.

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    • PS. Heute verwende ich übrigens ein schwarzes W48, bei dem Gesprächspartner mich in Australien wähnen – müsste wohl mal aufgeschraubt werden. Es hängt an einer Adapter- und Verlängerungskombi, damit es im Wohnzimmer stehen kann. Damit ich auch mobil in der Wohnung bin, bleibe ich der Idee eines Zweitapparats auch bei mir treu. An der gleichen Nummer hängt ein Telephon, das ich die weiße Urenkelin des W48 nenne. 📞

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    • „Kurz zum Telegramm, was ich nie erlebte… meine Oma war regelrecht von die Idee ein Telegramm zu bekommen traumatisiert. Für sie hieß es in Prä-Telephonzeiten, dass jemand gestorben war.“

      Das kann ich mir gut vorstellen.

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  6. Später Kommentar zu dieser Rückspultasten-Folge, weil später Hörer. Hab erst im vorigen Jahr (2019) diesen Podcast entdeckt und höre mich von Folge 1 an so durch. Manche Folgen, wenn sie weitab von meinem eigenen „Damals“ sind, im Zeitraffer, andere intensiv von Anfang bis Ende, wie diese Folge hier.
    Warum ich mich dazu melde, ist, dass mir in der Beschreibung vom Telefon zum Internet eine Lücke aufgefallen ist, die wahrscheinlich außerhalb eurer Wahrnehmung liegt. Schon seit den 80ern, also lange vor dem Internet, als der Weg von analog zu digital noch Akustikkoppler hieß, gab es nämlich noch die sogenannten Bullet Board Systems (BBS), welche der Grund für mein erstes Modem waren (9600 Baud – heute undenkbar langsam). Man rief dabei mit einer systemeigenen Wählroutine mit dem Modem (später auch mit einer ISDN-Karte) direkt einen anderen Computer an, auf dem eine Serversoftware lief und ein Programm aufrief, welches im ebenfalls Windows eigenen Terminalprogramm dargestellt und von da bedient werden konnte. Also nix mit Browser und so. Man hatte dort eine Art elektronisches schwarzes Brett vor sich, an dem man Neues zu bestimmten Themen lesen konnte und in den späten 90ern mit schnelleren Modems auch gaanz kleine Sachen herunterladen konnte. Das beste war aber ein bereits integriertes Mailsystem, womit man andere – so man die Mailadresse kannte – anschreiben und auch quasi etwas ans „schwarze Brett“ schreiben bzw. darauf antworten konnte. Um verschiedene BBS in Sachen Mailsystem kompatibel zu halten gab es übergreifende Mail-Standard-Netze: das FIDO-Netz, das Maus-Netz, das Z(erberus)-Netz und auch Gateways, die den Mailtransfer zwischen den Netzen ermöglichten. Das Ganze funktionierte ausschließlich über private PCs (manches waren sicher auch Computer in Büroräumen von Unis oder ähnlichen Einrichtungen), die zu diesem Zwecke angeschaltet und anrufbar sein mussten. Oft gab es daher bei den Rufnummern, die über Listen weitergegeben wurden, Tageszeiten, in denen man diese Rufnummern verwenden konnte. Und natürlich waren die meisten dieser Computer, wenn sie angerufen und daher mit einem anderen Computer verbunden waren, für diesen Zeitraum nicht mehr erreichbar für andere (einige wenige hatte mehrere Ports und Rufnummern). Wegen dieser Technik konnte es auch schon mal ein oder zwei Tage dauern, bevor eine Mail letztendlich den Empfänger erreichte. Aber hey – es war die Zukunft und schon ein internationales Netzwerk vor dem Internet. Eine ISDN-Karte (und Vertrag) wanderte übrigens deshalb in meinen Computer, weil die Telekom einen Tarif hatte, mit dem man nur via ISDN am Sonntag kostenlos (oder zum Ortstarif, das weiß ich nicht mehr genau, aber ich nach meiner Erinnerung kostenlos), deutschlandweit telefonieren konnte. Und einen anderen Computer anrufen, war in dem Sinne ein Telefongespräch.
    Zum Internet kam ich dann ganz anders als ihr, nämlich über eine der in jeden Briefkasten flatternden kostenlosen AOL-CDs.
    Aber wie auch immer – in den 90ern und noch Anfang der 2000er war online ein minutengetakteter teurer Luxus und zu eigentlich nichts anderem gut, als der Befriedung der eigenen, digital affinen Neugier. 🙂
    ISDN wird übrigens in diesem Jahr abgeschaltet. Nun hat man nur noch IPs und kann nicht mehr via Telefonleitung einen anderen Computer direkt anrufen. Alles nur noch über zwischengeschaltete Provider. Eine Ära geht zu Ende.
    Ach ja – Telefonnummern: Auch diese Ära ist im Digitalzeitalter eigentlich zu Ende, denn die heutigen sind quasi ein Fake. Nicht mehr notwendig. Nur ein Zugeständnis an Gewohnheiten. Es werden heut nicht mehr echt Nummern gewählt wie das mit Wählscheibe noch technisch notwendig war. Nur deshalb nimmt man noch Zahlen. Es gingen auch Namen, wenn sie einmalig sind. Oder kryptische Zahlen-Buchstaben-Kombinationen, solange sie einem Gerät eindeutig zuzuordnen sind. Völlig egal. Da sich heutzutage sowieso niemand mehr Telefonnummern merkt, ändert sich das vielleicht mal dahingehend, dass die Geräte ihre Identifikation senden, ohne dass dahinter eine für den Nutzer erkennbare „Telefonnummer“ ist. Oder es gibt eine persönliche digitale Nutzer ID für alle Geräte, mit der man sich automatisch identifiziert. Damit wäre es völlig egal, welches Gerät man benutzt. Inhalte und Kontakte sind eh alle in der Cloud. Aber das gehört eher in die „Vorspultaste“, denn hierher. 🙂

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  7. Ich kann bestätigen, dass man heute ohne Mobiltelefon & Datenpaket sozial ganz schön abgehängt wird. Wie oft stand ich schon vergeblich vorm Trainingsraum oder Restaurant in der Eiseskälte, weil etwas über Gruppen-Messenger abgesagt wurde oder sich eine Person verspätete. Und wie viele Online-Käufe musste ich schon beim vorletzten Schritt abbrechen, weil ich keine Nummer habe. Nu, denn halt nich!

    Früher(TM) hat man sich noch eindeutig verabredet und stand um die Zeit auch wirklich dort. Tzä.

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  8. Da Jahrgang 78 habe ich natürlich alles so ähnlich erlebt wie Ihr.

    Ich habe Anfang 2004 mein erstes Handy bekommen. Fand ich vorher doof 😉

    Da ich anders als Ihr aus einem 1.200 Leute-Dorf komme, war unsere Telephonzelle in der Regel in einem ganz manierlichen Zustand. Diese Zelle war damals meine einzige Chance, wenn ich mal ohne nervende Eltern & Schwerster ein Mädchen anrufen wollte 😉 Insofern habe ich unsere Telephonzelle recht gut in Erinnerung. Ich meine mich sogar an den Geruch erinnern zu können.

    Zum Thema „BRD“: Ich habe erst nach meinem Geschichts- und Politikstudium realisiert, dass es manche Menschen nicht mögen, wenn man BRD sagt. Das hat mich sehr überrascht, weil das in der wissenschaftlichen Literatur, die ich für das Studium las, keine Rolle spielte. In den Tabellen etc. wurde BRD häufig analog zu DDR verwendet, was ja schon allein aus Platzgründen sinnvoll ist. Auch in den Wirtschafts- und Sozialgeschichte-Vorlesungen wurde das so gehandhabt. Ich bin gerade nochmal meine alten Materialien durchgegangen, in denen ich immer wieder auf BRD stieß. Auch in neueren Publikationen wird die Abkürzung verwendet. Die ganze Diskussion darum war zuvor völlig an mir vorübergegangen. Aber ich bin halt auch kein Neuzeitler 😉

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    • Das erste Mal im Internet war ich etwa 1997. Der Vater eines Freundes hatte das angeschafft und dann saßen wir zwei vor dem Computer und fanden das alles doof, weil in diesem Internet nichts Vernünftiges zu finden war. Wir wussten nicht, dass es Suchmaschinen gibt und haben unsere Suchwörter immer direkt in die Adresszeile getippt 😉

      Das erste Mal bewusst nutzte ich das Internet dann ungefähr zeitgeich, um für ein Referat an der Schule Information über die SPD zu sammeln.

      Meine E-Mail-Adresse ist von 99 und sie ist immer noch meine Hauptadresse.

      Eigenes Internet habe ich ebenfalls 99/2000 angeschaft, damals noch analog mit Modem.

      Ich denke so gerne an ICQ zurück. Ich habe das vor ein paar Jahren noch einmal installiert, aber das taugt heute nichts mehr.

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  9. Moin Ihr Retrokommentatoren

    Oh, Ihr habt so schöne heimelige Erinnerungen hervorgerufen. Im Ohr habe ich quasi noch das Freizeichen der 1970er Jahre. Nahm man den Hörer ab, gab es keinen „tuuuuuut“ Dauerton, sondern ein „tut-tuuuut“, kurz-lang, erst viel später übernahm die Post den internationalen Standard, um das Freizeichen besser vom Rufton unterscheiden zu können. Oder die berühmte Zeitansage „beim näcbsten Ton ist es sieben Uuuhrrrr…“ mit gerolltem R, wie das im Nachkriegsdeutschland wohl als elegant empfunden wurde.

    Wir hatten leider kein Telefon. Mein Vater war extrem sparsam, um es freundlich zu ssgen, wenig fortschrittlich, auch nicht sehr kommunikativ und wenig empathisch, so dass er nicht sehen wollte oder konnte, wie wichtig ein Telefon für Jugendliche sein konnte. Als Boomer gehöre ich zu den vielen, die große Teile ihres Lebens in Telefonzellen (offiziell Fernsprechhäuschen) zu brachten. 1975 zogen wir von Bremen nach Niedersachsen, ca. 500 m hinter der Landesgrenze wohnten wir nun, da waren alle Gespräche nach Bremen ein Ferngespräch. Dort war aber mein Lebensmittelpunkt. Niedrigste Gebührenstufe, 90 Sekunden pro Einheit von 23 Pfennigen, aber eine Stunde Gespräch kam so auf 9,20 DM. Unvorstellbar. Dass man in Telefonzellen nur 20 Pf, als Anschlussinhaber aber 23 Pf zahlen musste, plus 27 DM Grundgebühr, fand ich immer seltsam.

    Zu den alten Gebühren: der Ortstarif war tatsächlich unbegrenzt, was Unternehmen schon ausnutzten, denn per „EDV“ und Akustikkopplern konnte man so quasi zum Nulltarif rund ums Jahr Daten übertragen. Filialisten und Banken nutzten das schamlos aus. Das Ferngespräch der höchsten Stufe schlug mit sogar nur 12 Sekunden pro Einheit zu Buche, pro Minute also 1,15 DM!

    Der berühmte Mondscheintarif ab 22 Uhr bewirkte, dass die Nation täglich in Telefonhektik verfiel. Schnell, schnell, bevor Tante Bertha schlafen geht.

    Nicht nur Uringeruch, auch kalter Zigarettenmief waberte durch Telefonzellen, es gab sogar einen Aschenbecher. Die eine Telefonzelle gleich hinter der Bremischen Landesgrenze war beliebt, man musste sich kurz fassen. Zuerst begegnete mir das Telefonmodell, in welchem die Münzen (Groschen) schräg hinter einer Plexiglasabdeckung herunterrollten, später gab es ein moderneres Gerät, das für 10 und 50 Pf und sogar 1 DM einen eigenen Einwurfschlitz hatte und Münzsammelschacht. Da gab es dann sogar einen mechanischen Geldvorratsanzeiger, der herunter zählen konnte. Und dann wurde es spaßig, es kam ein kantiges Retrofuturismusmodell aus gehämmertem bläulichen Stahl mit einer kühnen Kante, einem frontal eingehängtem Hörer und – der Wahnsinn – roter LED Anzeige für den eingeworfenen Geldbetrag. Später wurde aus „Fasse dich kurz“ ein „ruf doch mal an“.

    Meine Lieblingstelefonzelle hatte eines Tages einen Defekt, die Münzannahme war gestört. Ich wusste als technisch interessierter Boomer damals, dass das Impulswahlverfahren nichts weiter war als 10-Hertz-Hörer-auflegen-abnehmen im Stakkato. Ich hämmerte auf den schwarzen Schnapper in der Muschelhalterung, und siehe da, das Telefon wählte! Es war eine ergonomische Herausforderung an meine Armmuskeln, aber ich schaffte es sogar, ewig lange Nummern in den USA zu wählen, konnte also eine Woche lang kostenlos telefonieren, wohnte also in dieser Telefonzelle und rief all jene an, die mir einfielen. Je entfernter, desto besser. Wollten andere dieses Telefon nutzen, verwies ich auf die defekte Münzfunktion, flunkerte „ich hab mich anrufen lassen“ und wurde die Störer so schnell los. Meine Eltern fanden das „pfiffig“. Nach einer Woche war der Defekt leider repariert und meine Telefonorgie endete.

    Kennt nich jemand das R-Gespräch? Das kam öfters in Filmen vor. Wer kein Geld hatte, konnte das „Amt“ anrufen, die gewünschte „Teilnehmernummer“ geben, dann rief das „Fräulein“ den Anzurufenden an und fragte ob er die Gebühren übernehmen wolle, sozusagen Nachnahme auf Telefonisch. Mit saftigem Serviceaufschlag konnte man so zur Not ohne Geld telefonieren.

    Telegramme gab es selten, aber sie verkündeten Unheil. Der Tod meines Großvaters erforderte ein beglaubigtes Telegramm in die DDR, was ein Visum für dessen Sohn sorgte, damit dieser ausnahmsweise zur Bestattung kommen durfte.

    Papa war 1978 immer noch gegen ein Telefon, hatte aber versprochen, dann eines anzuschaffen, wenn die Taktung mit Nahbereichen kämen, was unseren Wohnort dem bremischen Ortsnetz gleichsetzen würde. Dann war es soweit und Papa brach sein Wort (leider typisch) und erwartungsmäß folgte ein Familienkleinkrieg. Zurecht. Ich setzte durch, dass ich das Telefon selbst bezahlte, hatte schon ein gutes Nebeneinkommen durch Zeitungsauslieferung. Dann kam der Winter 1978/79 mit monatelangem Schnee, Eis, Frost, der Boden war tief gefroren und die Post musste den Termin für das Aufreißen des Gehwegs vor unserem Haus auf 60 Metern verschieben bis in den April 1979. Immerhin bekam ich eine Superbaustelle und viel Manpower für meine 200 DM! Was für ein Erlebnis, endlich ein eigenes lindgrünes Wählscheibentelefon zu haben! Am Geräteboden gab es schon den Klingeltonregler, der das schrille Rrrring zu einem plastikhaften Brrrr dimmen konnte.

    Meine Mutter hat heute immer noch meine einprägsame vierstellige Nummer. Das Telefonkabel war im Normalfall ca. 150 cm lang, das war es, und fest verbunden mit der Anschlussbuchse. Nix TAE-Stecker, das kam später. Irgendwann gab es den Luxus des 10-Meter-Kabels, und man konnte cool mit dem Apparat durch die Bude wandern, so wie man es aus US Filmen kannte. Das führte ständig zu schrecklicher Kabelverdrillung.

    Überhaupt, Amerika! Erste Traumreise nach Kalifornien 1982, und was musste ich sehen? Telekommunikation ging sogar modern, mit Tonwahl. Oder hieß das Frequenzmodulation? Bei uns ratterten auch Tastentelefone noch im 10-Hz-Impulsverfahren herum, Wählscheibensimulation quasi und rückschrittlich. Es gab sogar schon Unternehmen, bei denen man sich über Tonwahlselektion durch ein Menü tippen konnte. „For any other request dial 5…“ Deutschland war immer so rückschrittlich. Als in den USA längst DSL Flatrates üblich waren, bewarb man bei uns noch ISDN Minutentarife. Erbärmlich.

    Die Steinzeit hatte zwei Namen: Helmut Kohl, Leo Kirch. Diese zwei Dinosaurier haben es bis heute verbockt, dass wir weiter mit Kupferkabeln herumstümpern und Glasfaser ein Zukunftstraum bleibt, auch 2022 noch, von flächendeckender Versorgung ganz zu schweigen. Die Fehleinschätzung des Intenets setzte sich sogar weiter fort, O Ton „ist für uns alle Neuland“ (2013, Merkel)

    Wann das Tastentelefon kam, weiß ich nicht mehr. Um 1986/87 begann jedoch die Herrschaft der Post über die Endgeräte zu bröckeln. Mehr uns mehr Urlauber kamen aus den USA zurück, brachten sich die schrillsten Telefone mit und wollten diese anschließen. Längst war bekannt, dass die ständigen Drohungen, man würde bei Wasser und Brot im Knast darben, wenn man es nur wagte die heimische Anschlussbuchse zu öffnen, protektionistisches Geschwätz war, um seine teuren Leistungen zu verkaufen. Dank Elektronikläden fand man Aufklärung. So hatte ich irgendwann in meiner Berliner Wohnung vier Telefone. Eines war die Replik des US Münzfernsprechers mit Spardosenfunktion, eines hatte rosa Neonröhren, die bei Anruf flackerten und als Deko-Objekt mit Dauerbeleuchtung genutzt werden konnte. Der Panasonic Anrufbeantworter kam schwer in Mode, jeder wollte so etwas haben, was wie ein Kassettenrekorder aussah und auch einer war, mit zwei Kassetten. Eine für die Ansage, eine für die Anrufe. Schon 1987 überboten wir uns bei den schrillsten und innovativsten Ansagen. Wer auf der Höhe der Zeit war, der sagte „Sprich mir doch aufs Band“. Hui!

    Klobige Riesenkartons mit Computern und Monitoren (das kaufte man damals zusammen) erschienen in den Warenhäusern. Ein Freund überließ mit seinen 286er, glaube ich, und per ISDN und bernsteinfarbenem Monitor entdeckte ich dieses teure BTX und das Datingportal Eden… immerhin, erste Schritte waren getan. Aus USA hatte ich mir natürlich längst ein Faxgerät inkl. Tramsformator mitgebracht. Das musste man damals haben, und Spam kam damals auch per Fax. Unverschämt! Man beraubte uns des teuren Thermopapiers von der Rolle!

    MS DOS war angesagt auf jedem Computer, Tastaturbefehle musste man kennen und fast jeder besaß Literatur für jede Computergeneration. Das Fiepen und Kreischen des Modems schwebte durch deutsche Wohnstuben. Wann das schnurlose Telefon Einzug hielt bei mir, ist mir entfallen.

    Das erste Mobiltelefon begegnete mit 1995 oder so. Ein türkisfarbenes Ding mit ePlus-Logo. SMS wurden als Nischenprodukt betrachtet und waren… ja, wirklich, kostenlos! Das „Handy“ kam durch eine Beziehung zu einem Handyverkäufer und ging auch mit diesem wieder fort. Als ich 1998 dann in den Luftverkehr wechselte und Rufbereitschaft nötig war, kam auch meine permanente Mobilfunkzeit. Durch Freunde, die bei ePlus arbeiteten, hatte ich einen preiswerten Mitarbeitervertrag ergattert und eine sehr einprägsame Rufnummer, die ich heute für einen 5stelligen Betrag an Promis verhökern könnte. Vielleicht tue ich das mal zum Renteneintritt.

    Windows 3.1.1 poppt mir in den Kopf. War das nicht ein Meilenstein? Und dann erst XP? Durch den Airlinerjob war ich immer auf der Höhe der Zeit, denn das ganze Crewportal inklusive Dienstplanung, Passagierdaten, Crewlisten, Intranet etc. gingen auch über den HeimPC per „CompuServe“. Gibts das noch? Es war aufwändig, musste mittels VPN getunnelt werden und für die Einrichtung waren seitenweise Anleitungen nötig. War die Crewfunktion per VPN getunnelt, ging sonst im Internet nichts mehr. Als Identifikation musste die RSA SecurID her und gekauft werden! Multifaktorauthentifizierung ersetzte das um 2019 erst. Festplatten einbauen, Drahtlose Netzwerkadapter, bei den völlig Unbeleckten kam ich zu dem unverdienten Ruf, was von Computern „zu verstehen“ und half einigen tatsächlich auf die Sprünge. Wer damals ein Betriebssystem inkl aller Treiber neu aufsetzen konnte, der war immerhin „fortgeschritten“. Ehrfürchtig staunten Kollegen „Oh, du hast auch schon dieses CompuServe? Du kennst dich gut aus, oder?“ Mein erstes eigenes Mobiltelefon war ein Motorola mit Teleskopantenne.

    Hatten wir nicht alle mal AOL mit der leicht zu erkennenden Stimme von Dagmar Berghoff? Freenet? Hotmail? Web.de? Heute nutze ich GMX gern, kostenpflichtige Version mit 10 Adressen. So kann man Privates, Profanes, Berufliches, Einkaufen, Reisen, Startrekkiges immer gut sortieren.

    Videotext finde ich auch heute noch praktisch, wenn ich irgendwo hineinzappe oder wissen will, was denn das gerade für ein Film ist und aus welchem Jahr. Man hatte damals entdeckt, dass in der „Austastlücke“ noch Platz war, diesem schwarzen Balken zwischen den Bildbereichen, zu sehen, wenn beim schlecht eingestellten Röhrenfernseher das Bild „gelaufen war“, meistens von oben nach unten.

    Ja, die ersten Wichtigtelefonierer wirkten wie Selbstdarsteller, vor allem in der Öffentlichkeit. Damals war es noch Usus bei Anruf das Abteil im Zug oder das Restaurant kurz zu verlassen. Leider trat auch hier Sittenverfall ein. Längst war VOIP etabliert. 2001 telefonierte ich damit aus Guatemala nach Deutschland. Zu Pfennigbeträgen oder gänzlich kostenlos konnte man so aus dem Ausland ins deutsche Festnetz telefonieren, das ist bis heute so. Als ich Kollegen bei der Steuererklärung half, staunte ich, als ich deren oft vierstellige DM-Monatsrechnungen sah. Es hatte schon damals seinen Preis, cool am Pool in Kalifornien zu sitzen. „Schaaatz, wir habem 32 Graaad!“ Man hätte sich per Call-by-Call im Hotelzimmer anrufen lassen können. Kostenkompetenz war, das lernte ich damals, durch Emotionen bei Telekommunimation, stets abgeschaltet.

    Im Vergleich zu den Erlebnissen meiner Kindheit leben wir heute im Kommunimations- und Informationsparadies, oder wir müssten sagen „könnten wir leben“. Leider hat sich die Medienkompetenz irgendwann in eine Abwärtsbewegung gewandelt. Wann war denn das? Recherche per Google, Fake von Fakten zu unterscheiden, es scheint immer schwieriger zu werden. Beinhaltet die Verfügbarkeit fast jeglicher Information nicht das Potenzial von Bildungsgerechtigkeit und Wachsen der eigenen Erkenntnisse? Müssten nicht alle großes Interesse an Lernen und interessanten Wissenschaften haben? Leider sieht es ambivalent aus. Haben Menschen die Wahl, entscheiden Sie sich offenbar oft genug für das Profane, vernetzen sich vorzugsweise mit denen, die ähnlich desinteressiert oder gar ideologisiert sind. Die Bildungsgesellschaft jedenfalls wurde durch das Internet nicht Realität, ja wir kennen heute das Spaltungspotenzial durch Hass, Hetze und Desinformation. Stichworte wie RTde und Querdenker genügen.

    Ist die Zukunft der elektronischen Kommunikation zwangsläufig golden? Kann das Internet gar zum Klimakiller Nummer Eins werden? Angesichts der Dynamik im Rückblick wage ich keinen Ausblick. Aber ich bin sehr froh, dass meine Kindheit ohne Smartphone und Tablet ablief. Ich beneide die Kinder von heute nicht.

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