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Zwei Standup-Comedy-Legenden in der Gegenüberstellung.
Auf der einen Seite: Richard Pryor – grenzüberschreitender Unruhestifter, sprachlich explizit, zum Schreien (komisch), selbstzerstörerisch und brutal ehrlich.
Auf der anderen Seite: Bill Cosby – Geschichtenerzähler, Amerikas Dad, Sitcom-Titan, (scheinbarer) Saubermann und multipler Vergewaltiger.
Wie revolutionierten sie die US-amerikanische Kultur und Comedy-Landschaft, sowohl schwarz als auch weiß und womöglich sogar farbenblind? Wie stehen Simon & Sebastian zu den beiden Personen? Und im Fall des verurteilten Verbrechers die alte Frage: Wo, wenn es sie überhaupt gibt, verläuft die Grenze zwischen Werk und Künstler?
Diese Folge ist Teil 3 der Rückspultasten-Reise quer durch den Humor vergangener Jahrzehnte. Wobei: Ernster könnte es kaum zugehen.

Marcus
Wow! Das war wahrlich keine einfach Folge, aber ich finde, ihr habt das Thema in einer Weise besprochen, wie ich sie von euch gewohnt bin, sei es bei TaD oder eben auch hier in der Rückspultaste.
Pryor war tatsächlich relativ unbekannt für mich. Bisher hatte ich ihn nur in die Glücksjäger gesehen.
Cosby hingegen war, in der Figur, die er in der Cosby-Show spielte, immer ein erstrebenswertes Vorbild für mich in seiner Art, wie er alles mit Humor nahm.
Ich habe die DVD-Box im Schrank und meine Gedanken kreisen immer mal wieder darum, mir die Serien anzuschauen. Irgendwann werde ich das auch bestimmt mal wieder tun, aber immer mit Hintergedanken über ihn als Mensch.
Die Frage, ob man Werk und Künstler voneinander trennen sollte, ist nicht so einfach und meine Antwort darauf variiert auch von Zeit zu Zeit.
Ich habe gerade vor ein paar Tagen mal wieder American Beauty gesehen. Ein Film, der mich damals im Kino umgehauen hat, weil ich vorher nicht wirklich wusste, worüber er handelt. Kevin Spacey ist ja auch, sagen wir mal „problematisch“, aber er hat in so vielen Filmen mitgespielt, die ich gerne sehe, da könnte ich gar nicht komplett drauf verzichten.
Anyway, vielen Dank für die Episode. Ich habe erst dieses Jahr mit der Rückspultaste angefangen und höre parallel von 1 ab (aktuell bin ich bei Folge 27) und dann am letzten Freitag des Monats immer die neueste Folge.
Weiter so!
Michael
Wow, eine spannende, facettenreiche Auseinandersetzung, die mich in meinem Gefühl bestätigt hat, dass ich die Show nicht mehr sehen kann.
Warum ich aber trotzdem manchmal das Bedürfnis habe, doch noch einmal reinzuschauen (neben der „Trauer“ über die Enttäuschung), ist die Frage, was das für ein Mensch ist, der so etwas tut. Kann man das irgendwie sehen oder spüren, wenn man ihn betrachtet. Es ist der Wunsch, so etwas wie Anzeichen für solche Neigungen vorzeitig zu erkennen. Völlig klar, dass das natürlich kaum möglich ist, wenn man eine Schauspieldarstellung eines Profis betrachtet, der er ja nun mal ist.
Die Dokumentation habe ich noch nicht gesehen, aber das werde ich sicherlich nachholen.
Vielen Dank
…auch für Simons Interpretation der Eddie Murphy Synchronstimme. Ich konnte nicht mehr!
Cornelius
Vielen Dank für eure tolle Folge zu diesem schwierigen Thema. Ich finde, dass ihr das Ganze sehr behutsam, aber auch ernst genug angepackt habt. Für mich war Bill Cosby früher auch immer der liebe nette Onkel – 1989/90 war ich ein Jahr in USA, da führte an Cosby kein Weg vorbei), entsprechend krass fand ich, was ihm vorgeworfen wurde, auch wenn ich zu keinem Zeitpunkt an den Vorwürfen gezweifelt habe. (Die Doku tat dann ihr Übriges.)
Ein kleiner Kritikpunkt vielleicht: In diesem Zusammenhang sollte man lieber nicht „sich an jemandem vergehen“ sagen, das ist ein wenig zu euphemistisch, finde ich, und auch nicht „missbrauchen“ (da das im Umkehrschluss bedeutet, dass es auch ein korrektes „Gebrauchen“ eines Menschen gibt, was natürlich nicht der Fall ist). Man sollte eine Vergewaltigung immer als solche benennen, finde ich.
Und noch eines: Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass ihr diesen wunderbaren Standup-Skit von Eddie Murphy erwähnt, in dem er schildert, wie Bill Cosby ihn anruft, um sich bei ihm zu beschweren, dass Murphy in seinem Bühnen-Programm so schlimme Wörter benutzt. Um eine zweite Meinung einzuholen, ruft Murphy Richard Pryor an und schildert ihm, wie Bill Cosby ihn am Telefon so abgekanzelt hat, dass er sich wie eines der Cosby-Kids gefühlt hat. Was sagt Pryor? „Next time the morherfucker calls, tell him to suck MY dick.“
Falls ihr es nicht kennt: https://youtu.be/a0PHxt5IPgI
Obendrein macht Eddie Murphy sowohl Bill Cosby als auch Richard Pryor ganz wunderbar nach. 🙂
Cornelius
Ups, da ging der Youtube-Link aber ins Leere! Noch einmal hier, Eddie Murphy: https://www.youtube.com/watch?v=pZlQaE4GDUY
Sebastian (Wolf 359)
Vielen Dank für diese Folge und die (erneute) Erweiterung meines Horizonts. Mich hat Bill Cosby nie wirklich interessiert – die Serie habe ich vielleicht 2 mal für 5 Minuten geguckt und fand sie (wie alle „Heile-Welt-Familienserien“) langeweilig und ich hatte auch nur am Rande mitbekommen, dass er wegen „irgendwas“ verurteilt wurde. Von Pryor hatte ich noch nie bewusst gehört.